Zahlen Sie noch oder Swish-en Sie schon?

Swish

Schweden ist nicht nur ein schönes, sondern auch ein sehr innovatives Land. So führten die Schweden als erste europäische Nation die Banknoten ein. Und auch die Bankautomaten wurden durch die Schweden etabliert – und das noch vor den USA. Jetzt steht eine neue Revolution vor der Tür: Das bargeldlose Schweden.

Wer bar zahlt, hat etwas zu verbergen

Nur jeder fünfte Einkauf wird in Schweden mit Bargeld getätigt. In Deutschland ist es jeder zweite! Während vor sechs Jahren noch 106 Milliarden Kronen im Umlauf waren, sind es heute nur noch 80. Und niemand scheint in Schweden das Bargeld zu vermissen. Denn überall, angefangen von der Kirche bis hin zu Flohmärkten und Toilettenhäuschen, gibt es bargeldlose Bezahlmethoden. In Deutschland kann man von so einer Situation nur träumen.

Auch die Banken sind vorne mit dabei, um das skandinavische Land zu einer cashless society zu transformieren. Die Hälfte der knapp 1.800 schwedischen Bankfilialen führt gar kein Bargeld mehr und akzeptiert dieses nur unter Vorbehalt. So kann es schon einmal vorkommen, dass bei einer Bareinzahlung die Polizei gerufen wird. In Schweden steht Bargeld für Kriminalität.

If you have to pay in cash, something is wrong.

Mikael Krogerus für die Credit Suisse.

Gründe für eine Cashless Society

Restaurants und Bars verzichten auch vermehrt auf Bargeld. Obwohl sie Gebühren zahlen müssen, sparen sie durch das fehlende Hantieren mit Bargeld einen personellen und zeitlichen Zusatzaufwand ein und minimieren zudem das Sicherheitsrisiko

Ein weiteres wichtiges Argument für eine bargeldlose Gesellschaft ist die Bekämpfung der Schattenwirtschaft. Denn nur die Hälfte des vorhandenen Bargeldes zirkuliert regelmäßig.

Außerdem erhofft man sich durch diese Umstellung Banküberfälle und weiteren Diebstahl zu eliminieren – diese machen ohne Bargeld keinen Sinn mehr. Und es scheint zu funktionieren: Bereits 2012 gab es nur noch fünf Banküberfälle in Schweden. Als Wunderwaffe betrachten die Schweden die Bargeldlosigkeit jedoch nicht. Denn anstatt der Banküberfälle komme es zu vermehrtem Identitätsdiebstahl.

Auch aus hygienischer Sicht ist die Abschaffung des Bargeldes von Vorteil. Dieses gelte als eine große Schmutzquelle und verbreite Bakterien und Krankheiten. Mikrobiologe Richard Hastings und seine Kollegen fanden außerdem heraus, dass auf den Zahlenblöcken von Bankautomaten in England ebenso viele Keime und Erreger zu finden sind wie auf öffentlichen Toiletten.

Eine sehr spannende Doku von 3sat (1:10 h)

Aufgeschlossene Schweden

Anders als in Deutschland haben die wenigsten Schweden Datenschutz-Bedenken, wenn es um Mobile Payment geht. Allgemein sind schwedische Bürger  technischen Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen. Grund dafür ist vor allem die vorliegende Transparenz. So sei es in Schweden nicht schwer herauszubekommen, was beispielsweise Nachbarn verdienen.

Banken werden zu App-Entwicklern

Dass Schweden auf Bargeld verzichten kann, liegt an technischen Errungenschaften. So wird beispielsweise die Kirchenkollekte bereits seit Jahren mit einem Kollektomaten gesammelt. In nur wenigen Handgriffen kann mit der Kreditkarte der gewünschte Betrag für die entsprechende Organisation gespendet werden.

Doch vor allem die App Swish hat das Mobile Payment in Schweden vorangebracht. Diese App wurde von den sechs schwedischen Großbanken entwickelt. Sie ermöglicht, jegliche Zahlungen in wenigen Sekunden mit dem Handy zu tätigen. Lästige Eingaben der IBAN sind so nicht mehr notwendig, lediglich die Mobilnummer des Empfängers benötigt man für eine Transaktion. Der Betrag wird dann in Echtzeit auf das verbundene Konto überwiesen.

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Swish – Bevorzugte Zahlungsmethode

Flohmarkt Swish
Flohmarkt Swish

Sogar auf Flohmärkten und bei privaten Käufen kann man Swish nutzen

Markt

Auch auf dem Markt wird bargeldlos bezahlt

Diese Einfachheit hat dazu beigetragen, dass sich die 2012 entwickelte App in Windeseile in ganz Schweden verbreitet hat. Ende August 2016 hatte Swish bereits 4,7 Millionen Nutzer und gilt in Schweden mit 43 Prozent als bevorzugtes Zahlungsmittel unter Freunden. So kann bei einem gemeinsamen Abendessen in großem Kreis einer bezahlen und die restlichen Freunde überweisen ihren Anteil in Echtzeit an den Bezahlenden.

Egal ob bei großen oder kleinen Beträgen, im Café, Supermarkt, auf dem Flohmarkt oder beim Kauf von Bahntickets – überall kann Swish eingesetzt werden. Sogar die Obdachlosen-Zeitschrift kann mit der schwedischen App gekauft werden.

Wie auch schon das Wort „googeln“ im deutschen Sprachgebrauch zu einem Verb avanciert ist, so ist beinahe jedem Schweden das Verb „swisha“ bekannt. Nur in ländlichen Gebieten und bei älteren Einwohnern ist Swish noch eher unbekannt. Auch Urlauber können die App nicht nutzen, da dafür ein schwedisches Bankkonto benötigt wird. Doch auch das kann und soll sich bald ändern.

Die Zukunft Des Bezahlens

Die Zukunft des Bezahlens

In verschiedenen Ländern wird überlegt, das Bargeld abzuschaffen. Deutschland scheint hingegen noch zu sehr daran zu hängen. Wir haben verschiedene Bezahlverfahren für Sie unter die Lupe genommen, die zeigen, was jetzt schon möglich ist.
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Bildnachweis: Swish Pressekit

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Traurig, wie unreflektiert mit digitalem Geld umgegangen wird.
    Alle Zahlungen, die nur noch über Banken gehen, verteuern den Zahlungsverkehr, denn für jede Zahlung wird in Zukunft eine Gebühr fällig werden. Kaufe ich ein Buch für einen Euro auf dem Flohmarkt und zahle 50 Cent Überweisungsgebühr, kostet es 1,50 Euro! Das sind 50% Kostensteigerung. Dass es jetzt eventuell noch wenig oder gar keine Gebühr kostet, ist erst der Anfang. Am Anfang war onlinebanking auch noch fast kostenlos, bis 90% der Menschen zum online Konto gewechselt sind. Anfangs zahlte ich 20 Euro jährlich. Jetzt 320 Euro! Dazu kommt die Abhängigkeit von den Banken und vom Finanzamt.
    Als es in Griechenland die Wirtschaftskrise gab, durfte jeder nur 50 Euro pro Tag von seinem Konto abheben. Das wird immer vergessen. Eigentlich sollte jede Gemeinde sein eigenes Geld herausgeben dürfen, dann würde sich herausstellen, welches das bessere Geld ist, das staatliche, oder eine der vielen freien Währungen. Doch der Staat hat das Geldmonopol, genau so wie das Gewaltmonopol. Den Banken kann es nur recht sein. Sie profitieren von der Abhängigkeit und sind die großen Gewinner auf Kosten aller.
    Digitales Geld bedeutet letztlich den Untergang der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und Freiheit, und all, nur wegen lästigem Suchen nach Kleingeld oder der Angst vor Überfällen und Bakterien? (Wer überfällt mich wegen 50 Euro in der Börse?) Ist es uns das Wert? In welcher Welt wollen wir eigentlich leben?

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