Wer wird denn gleich persönlich werden? Können Robo-Advisor menschliche Berater ersetzen?

Bild: Roboter Mit Virtuellem Interface Vor Grauem Hintergrund

Um Menschen, die sich unsicher sind, bei der Geldanalage zu helfen, gibt es immer mehr sogenannte Robo-Advisor. Diese werden angeboten von FinTechs oder Banken und sollen uns einfach, günstig und vollautomatisch eine langfristige Anlagestrategie vorschlagen. Die können wir dann per Mausklick verfolgen. Ist damit das „Problem“ Geldanlage für uns gelöst? Haben menschliche Anlageberater nun ein Problem und werden durch Maschinen ersetzt? Oder sind diese Produkte doch nicht für jeden geeignet? Schauen wir uns das Thema genauer an!

Vereinfachung eines komplexen Themas

Nicht zuletzt deshalb, weil viele ihre Bankfiliale nur noch im Ausnahmefall aufsuchen, werden immer mehr Leistungen digitalisiert. Kein Wunder also, dass auch das Thema Anlageberatung hier auf den Plan rückt. Denn das Thema Geldanlage ist für viele Menschen undurchsichtig, wird in der Regel als komplex wahrgenommen. Robo-Advisor sollen dieses Thema nun ganz einfach für jeden handhabbar machen. Ich habe es selbst ausprobiert und will kurz beschreiben, wie es geht. Mein Beispiel ist die Software der Ginmon GmbH aus Frankfurt. (Es gibt aber viele andere, die ähnlich funktionieren!)

Ginmon Screenshot 1
Ginmon Screenshot 1

Der Einstieg über die Website ist sehr nutzerfreundlich. Man klickt einfach auf „Geldanlage planen“ und es geht los. Nach dem Klick kommt man zu einem Test, mit dem man ermitteln, was für ein "Anlegertyp" man ist.

Ginmon Screenshot 2

Mir wurde eine ausgewogene Anlagestrategie vorgeschlagen. Wenn ich möchte, darf ich den Test aber auch wiederholen.

Ginmon Screenshot 3

Je nachdem, wieviel Geld ich einsetzen möchte, kann ich nun gemäß der Strategie meinen „erwarteten Gewinn“ ermitteln.

Ginmon Screenshot 4

Ich kann mir auch Details zu „meiner“ Strategie ansehen, in diesem Fall Anlagestrategie 7. Ich kann mich nun registrieren oder mir die Strategie erstmal einfach per Mail zusenden lassen.

Ginmon Screenshot 1Ginmon Screenshot 2Ginmon Screenshot 3Ginmon Screenshot 4

Der Robo-Advisor handelt frei von Emotionen

Ginmon wirbt damit, dass der Robo-Advisor rein wissenschaftlich und frei von Emotionen handelt. Er verfolgt eine langfristige Anlagestrategie – und zwar konsequent. Gerade dazu sind menschliche Anleger oft nicht in der Lage. Die Anlagestrategie passt dabei zu mir und ich muss ich mich um nichts Weiteres kümmern, da das Portfolio regelmäßig optimiert wird. Ich kann sogar später meine Risikopräferenz jederzeit ändern, so dass die Anlagestrategie automatisch mit angepasst wird.

Dabei ist das Angebot viel zeitsparender, als bei der Do-it-yourself-Anlage, und gleichzeitig viel günstiger, als ein aktives Portfoliomanagement. Lediglich einen Teil meines Gewinns möchte Ginmon einbehalten. Das ist auf jeden Fall ein ideales Angebot für Menschen, die von Geld keine Ahnung haben. Oder die zumindest so viel wissen, dass ihnen klar ist, dass sie sich nicht mit dem Thema beschäftigen möchten. Also ein perfektes Produkt, um in die Geldanlage einzusteigen.

 

Oder?

Belastbarkeit

Ein paar kritische Fragen

Wenn ich mir die Funktionsweise der Robo-Advisor anschaue, stellen sich mir dann doch ein paar Fragen, die mich skeptisch machen. Zum Beispiel:

  • Wenn ich mich bereits vorher mit dem Thema Geld überfordert fühlte, reicht mir dann der Blick auf ein paar Zahlen? In der Tiefe kann ich trotzdem nicht beurteilen, in was ich da mein Geld investiere. Und innerhalb der „Detailansicht“ wird es mir auch nicht so erläutert, dass ich es verstehe.
  • Ich habe auch nicht das Gefühl, die vollständige Kontrolle über ein Geld zu behalten, wenn sich mit nur einem Mausklick gleich mehrere Parameter auf dem Bildschirm „wie von selbst“ verändern.
  • Und wie kann es sein, dass mir die Grafik suggeriert, Verluste seien unmöglich?
  • Kann das Programm wirklich anhand von weniger als zehn allgemeinen Fragen ermitteln, wie meine „individuelle Risikopräferenz“ aussieht?

Wenn mein metaphorisches Ich schon diese Fragen hat, kann es gut sein, dass es auch weitere Menschen gibt, die sich diese stellen. Gehen diese Leute dann doch zu den menschlichen Finanzberatern zurück? Immerhin können diese sich ja wenigstens erklären.

Kunden wollen Robo-Advisor trotzdem – aber nicht „nur“

Ein wenig Recherche fördert Interessantes zutage. So lesen wir in einer repräsentativen Umfrage von PwC, dass immerhin 32 Prozent der Kunden den Empfehlungen vom Robo-Advisor eher vertrauen würden, als denen eines Anlageberaters. Grund seien die mathematischen Berechnungen, auf denen diese basieren. Für ein technologieskeptisches Land wie Deutschland keine niedrige Zahl. Und KPMG fand heraus, dass sich drei Viertel aller Bankkunden einen Robo Adivsor bei ihrer Bank wünschen.

Also doch das Ende der Bankberater? Wohl kaum. Denn immer noch ist der wichtigste Wunsch aller Bankkunden eine persönliche und individuelle Beratung – durch einen menschlichen Berater. Deshalb ist es vielleicht eine gute Idee, einen Robo-Advisor einzuführen und das Angebot mit traditioneller Beratung zu kombinieren.

Sie wollen einen Robo-Advisor einführen?

Dann schauen Sie doch mal in das Programm zu unserem Seminar Der Robo-Advisor. Dort erfahren Sie von der Theorie bis zur Umsetzung im Unternehmen, wie Sie das Projekt angehen. Inklusive Praxisberichte von Banken und FinTechs, die erfolgreich einen Robo-Advisor eingeführt haben! Termine finden Sie im Programm.

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ist die Bankfiliale überflüssig?

Experten der Branche haben auf unserer Jahrestagung darüber diskutiert. Informieren Sie sich in unserem Rückblick über die Zukunft der Bankfiliale, neue Strategien und Geschäftsmodelle.

Jetzt herunterladen!