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Black Box Bewerber – Warum Sie auf anonyme Bewerbungen setzen sollten

Black Box

Anonymisierte Bewerbungsverfahren sollen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt vermeiden. Die Chance, dass der Bewerber im Laufe seiner Bewerbung aus verschiedenen Gründen benachteiligt wird, ist im ersten Schritt am höchsten. Ob Ihr Team anders aussehen würde, wenn sich Ihre Mitarbeiter anonym beworben hätten? Denken Sie doch einmal beim Lesen dieses Beitrags darüber nach.

Allen Bewerbern die gleiche Chance auf ein Bewerbungsgespräch geben

Gerade Mütter oder Menschen mit zum Beispiel ausländischem Namen oder anderer Herkunft tun sich schwer, eine Einladung zu einem Jobinterview zu erhalten. Und das, obwohl sie vielleicht sogar eine bessere Qualifikation haben als jemand mit deutsch-klingendem Namen oder einem ansprechenderem Foto. Dass die eigenen Wertvorstellungen Teil des Entscheidungsprozesses sind, passiert in der Regel sogar unbewusst. Dies lässt sich allerdings vermeiden, indem man allen Bewerbern die Chance gibt, sich anonym zu bewerben. Nach dem Jobinterview haben Sie als Personaler/-in natürlich trotzdem die Möglichkeit, sich gegen den sogenannten „Black Box Bewerber“ zu entscheiden.

Qualifikation des Bewerbers steht im Vordergrund

Auch für Sie als Personaler/-in kann dieses Bewerbungsverfahren einen großen Nutzen darstellen. Bei einer anonymen Bewerbung zählt beim ersten Auswahlverfahren lediglich die Qualifikation. Sie laden Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch ein, die Sie sonst vielleicht schon direkt ausgeschlossen hätten. Ganz egal, ob wegen des Geschlechts, des Namens, der Herkunft, des Familienstandes oder des Aussehens.

Anhand einer Studie von der österreichischen Ökonomin und Genderforscherin Doris Weichselbaumer wird die Diskriminierung, die beim Auswahlverfahren oft automatisch herrscht, ganz deutlich:

Sie verschickte fast 1500 fiktive Bewerbungen an deutsche Unternehmen. Sandra Bauer bekam bei 18,8 Prozent aller Bewerbungen eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Bei genau der gleichen Bewerbung, mit demselben Bild, allerdings dem türkischem Namen Meryem Öztürk lag die Quote nur noch bei 13,5 Prozent und als dieselbe Dame auf dem Bild ein Kopftuch trug, sank die Zahl auf 4,2 Prozent.

Studie von Doris Weichselbaumer über Benachteiligung bei Bewerbungen mit Bild

Sandra Bauer 18,8 Prozent
Meryem Öztürk 13,5 Prozent
Meryem Öztürk mit Kopftuch 4,2 Prozent

Doch ist diese Methodik für alle Firmen interessant?

Im Jahr 2010 gab es auch mal ein Pilotprojekt diesbezüglich in Deutschland. Acht Unternehmen und Behörden – die Deutsche Telekom, die Post, L’Oréal, Procter & Gamble, Mydays, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Stadtverwaltung von Celle  – schrieben zwölf Monate lang bestimmte Stellen anonymisiert aus.

Laut Spiegel Online wollen vier der am Projekt beteiligten Betriebe auch in Zukunft ihre Bewerber ohne Foto und Namen zum Bewerbungsgespräch einladen. Die großen Unternehmen wie die Deutsche Post, L Òreal oder die Telekom sind aber nicht dabei. „Unsere Personalstrategie richtet sich eher nach dem persönlichen Eindruck, den wir von einer Person im Vorstellungsgespräch gewinnen. Darauf legen wir mehr wert als auf einen glatten Lebenslauf oder gute Zeugnisse“, sagt Husam Azrak von der Telekom. „Eine anonyme Bewerbung ist da eher hinderlich.“

Ähnlich sieht es die Deutsche Post. „Bei der Bewerberauswahl für ein Vorstellungsgespräch kam es während des Projekts bei uns zu keinem Unterschied im Vergleich zu vorher“, so Post-Sprecherin Nina Mohammadi.

Anonymisierte Bewerbung - Frauen und Migranten profitieren

In den USA schon seit den 60er Jahren gängige Praxis

Während es im englischsprachigen Raum gängige Praxis ist, anonyme Bewerbungen entgegenzunehmen, sind wir in Deutschland, bis auf ein paar wenige Pilotprojekte noch nicht wirklich auf den Geschmack gekommen. In den USA und in Kanada wird das Verfahren bereits seit den 60er Jahren angewendet. Auch Belgien nutzt anonymisierte Bewerbungsverfahren bereits seit längerer Zeit. Als eine Neuheit kann man anonyme Bewerbungen also nicht bezeichnen.

Doch weshalb setzt sich das anonyme Verfahren in Deutschland so selten durch?

Ein Grund könnte sein, dass Firmen bei dieser Art von anonymer Bewerbung dem Bewerber einen selbsterstellten Fragebogen zukommen lassen, den Sie als Personaler erstellt haben. So kann es passieren, dass besondere Fähigkeiten nicht richtig abgefragt werden und dadurch nicht sichtbar werden. Dieses Verfahren ist außerdem nicht bei einer geringen Bewerberzahl zu empfehlen, da man dann nur wenige Vergleichsmöglichkeiten hat. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Name, Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand zu schwärzen. So hat man noch die klassische Bewerbung, allerdings eben ohne diese Aspekte.

Die anonymisierte Bewerbung bietet dem Bewerber in der Vorauswahl einen großen Vorteil: Kandidaten, die sonst wegen ihres Namens oder Fotos frühzeitig ausgesiebt würden, haben somit die Möglichkeit, ein Bewerbungsgespräch zu bekommen und dann zu überzeugen.

Was dieses Verfahren allerdings auch so effizient macht, ist dass Sie bei einer anonymen Bewerbung mit einem selbsterstellten Fragebogen lediglich die Schlüsselinformationen vorgelegt bekommen und diese sowohl besser ersichtlich für Sie sind als auch leichter miteinander verglichen werden können. Sie, als Personaler, können somit eine zielgenaue Abfrage von Daten durchführen. Des Weiteren wird die Zusammenstellung von vielfältigen Teams gefördert, die nachweislich besser zusammenarbeiten und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens erhöhen.

Abschließend können wir sagen, dass es Vor- und Nachteile gibt. Sie sollten also vorher intern abwägen, ob eine anonyme Bewerbung sinnvoll ist oder nicht.

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Ihre Redakteurin: Jana Sertić

janaSeit August 2015 bin ich Auszubildende von Management Circle. Mit meinen Texten möchte ich Erfahrungen und Neuigkeiten aus aller Welt mit Ihnen teilen. Falls Ihnen der Artikel gefallen hat, geben Sie mir gerne ein Feedback oder Vorschläge zu neuen interessanten Themen.

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