Warum Scheitern nichts Negatives darstellt

Scheitern Nichts Negatives

Wer in Deutschland scheitert, wird verspottet. Es scheint so, als habe gerade die Bundesrepublik ein Problem mit Misserfolgen. Wahrscheinlich liegt das am ewigen Perfektionismus. Deswegen fehlen hierzulande Gründergeist und damit auch zahlreiche Startups. Dabei muss Scheitern nichts Negatives darstellen. Auch das Scheitern bringt Erfahrung! Einige Unternehmen konnten erst große Erfolge feiern, nachdem sie einmal auf die Nase gefallen waren.

Warum scheitern Startups?

CB Insights, eine auf Startups spezialisierte Datenbank, hat analysiert, aus welchen Gründen die meisten jungen Unternehmen scheitern. Die Analysten betonten zwar, dass es sich immer um eine Anhäufung von Ursachen handelt, die zum Scheitern führt. Dennoch stellten sie drei Hauptursachen in den Vordergrund. Der häufigste Grund sei laut CB Insights die fehlende Nachfrage. Viele neue Unternehmen lieben ihr Produkt, fragen sich jedoch nicht, ob dieses Produkt auch von den Kunden gewünscht wird. An zweiter Stelle steht die Finanzierung: 29 Prozent der untersuchten Startups ging schlicht das Geld aus. Die dritthäufigste Ursache ist das Team. Bei 23 Prozent waren Probleme im Gründerteam die Ursache für das Startup-Aus. Durchschnittlich komme das Ende eines Startups laut CB Insights Untersuchung nach 20 Monaten. In Deutschland bleiben nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Startups lediglich 30 bis 50 Prozent der Startups dauerhaft bestehen. Andere Studien besagen sogar, dass neun von zehn Startups scheitern.

Deutschlands Problem mit dem Scheitern

In jeder Kultur wird mit Misserfolgen anders umgegangen. Während sich in den Vereinigten Staaten eine positive Fehlerkultur entwickelt hat, wird in Deutschland das Scheitern als Makel betrachtet. Hierzulande gibt es keine Failure Partys, zu denen Freunde und Kollegen eingeladen werden, um den Untergang des Unternehmens zu feiern. Denn anders als in Amerika wird in Deutschland das Scheitern noch nicht als Chance verstanden. Viele gescheiterte Unternehmer berichten sogar, dass Häme und Spott sie jahrelang verfolgt.

Und genau das ist die Ursache dafür, dass Deutschland der Gründergeist fehlt. Das bestätigt auch der Global Entrepreneurship Report 2015 von Amway: Deutschland erhielt lediglich 31 von möglichen 100 Punkten und lag damit auf Rang 41 von 44. Außerdem besagt die Amway Studie, dass sich 80 Prozent der Deutschen gegen eine Selbstständigkeit entscheiden, da sie Angst vor einem Misserfolg haben.

Über das Scheitern reden – eine neue Fehlerkultur

Das Scheitern von Unternehmen sollte in einem neuen Licht erscheinen. Denn wer scheitert, der lernt auch dazu. Dieser Gedanke ist zumindest schon in der Gründerszene angekommen. Seit 2014 gibt es deswegen die sogenannte FuckUpNight, in der Unternehmer über ihr Scheitern sprechen und dadurch ihre Fehler verarbeiten, um daraus lernen zu können. Importiert wurde die Idee aus Mexiko. Innerhalb von drei Jahren hat sich die FuckUpNight in 100 weitere Städte übertragen.

Die Veranstaltungen sollen dabei helfen, das Scheitern nicht mehr zu stigmatisieren. Während man unter Gründern gescheiterten Unternehmern Respekt entgegenbringt, wenn diese mit einer neuen Idee einen Neuanfang wagen, sind Menschen fernab der deutschen Gründerszene noch mehr als nur kritisch. Die Herausforderung liegt also darin, genau diese davon zu überzeugen, dass das Scheitern nichts Negatives darstellt. Denn im Factbook Gründerland Deutschland des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wird nachgewiesen, dass zwar nur elf bis achtzehn Prozent der befragten Unternehmer nach einem Misserfolg einen weiteren Versuch starten, die Erfolgsquote derjenigen, die sich für einen zweiten Anlauf entscheiden, allerdings ungewöhnlich hoch ist.

Hinfallen, aufstehen und weitergehen

Für das Ergebnis des Factbooks gibt es zahlreiche Beispiele allein in Deutschland. Lars Hinrichs ist heutzutage bekannt als erfolgreicher XING-Gründer, der sein internationales Kontaktnetzwerk für 48 Millionen Euro verkaufte. Was viele jedoch nicht wissen, Hinrichs scheiterte 2001 mit einem Startup, einer PR- und Kommunikations-Agentur für Internet-Startups. Die 1999 gegründete Böttcher-Hinrichs AG musste schon nach zweijährigem Bestehen Insolvenz anmelden. Heute gibt er das Team als Ursache an, also den dritthäufigsten Grund laut CB Insights Analyse. Mit zwei Chefs war das Projekt zum Scheitern verurteilt gewesen, denn in einem Unternehmen könne nicht wie in einer Demokratie abgestimmt werden. Außerdem sieht Lars Hinrichs heute sein Scheitern überaus positiv: „Nur aus einer negativen Erfahrung kann etwas Neues entstehen“.

Der wohl berühmteste „Gescheiterte“ ist Christian Lindner – zumindest im Social Web. Bevor er zum FDP-Chef wurde, hatte Lindner im Jahr 2000 ein Unternehmen, welches Avatare entwickelte. Dieses Startup wurde von der KfW-Bank mit 1,4 Millionen Euro unterstützt, scheiterte jedoch schon nach einigen Monaten, nachdem Lindner selbst aus dem Unternehmen ausstieg. Als ein SPD-Abgeordneter Lindner an dieses Scheitern auf dem Landtag von Nordrhein-Westfalen erinnerte, hielt der jetzige FDP-Chef eine amüsante Wutrede, die bereits mehrere Millionen Male im Internet angeschaut wurde.

Wenn selbst Politiker einen Abgeordneten aufgrund seines Scheiterns verpönen, wie soll die restliche Gesellschaft eine andere Fehlerkultur entwickeln und erkennen, dass Scheitern nichts Negatives darstellen muss? Vor Deutschland liegt wohl noch ein sehr langer Weg…

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Bildnachweis: Fotolia/lassedesignen

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
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