„Smart meets Lean“ – Der Weg zu Industrie 4.0 in der Auftragsabwicklung

Lean Management, Franziska Gütle

Wie etabliert man schlanke Prozesse wirklich nachhaltig im Unternehmen und schafft damit optimale Voraussetzungen für die digitale Transformation? Mit dieser Frage hat sich das Unternehmen Atlas Copco IAS intensiv auseinandergesetzt und dabei seinen ganz eigenen Weg gefunden.

Franziska Gütle kennt sich als Smart Factory und Lean Expert bei Atlas Copco IAS (ehemals SCA Schucker GmbH & Co. KG) mit der Anwendung und der Umsetzung von Lean Methoden bestens aus. Zu Ihrer Aufgabe gehören neben der Prozessoptimierung die Durchführung von Workshops und Trainings. Sie war zuvor bei Audi AG in den Bereichen Produktionssystem, KVP und Wertstromgestaltung beschäftigt.

„Der Schlüssel, um eine schlanke Auftragsabwicklung nach Lean-Prinzipien erfolgreich im Unternehmen zu verankern, sind aus unserer Sicht die Mitarbeiter“, erklärt Franziska Gütle, die für die Implementierung der Themenfelder Smart Factory & Lean Management im Bereich Produktion und Logistik verantwortlich ist. Ausgehend von dieser Überlegung, plant das in Bretten bei Karlsruhe ansässige Unternehmen ein Lean-Trainingsprogramm für alle Mitarbeiter des Klebetechnologie-Spezialisten.

Intern Wissen aufbauen im Bereich Produktion und Logistik

Industrie 4.0In einem Basistraining für eine schlanke Gestaltung des Materialflusses wird zunächst das notwendige Grundlagenwissen und Verständnis aufgebaut. Denn nur wenn alle den Lean-Gedanken leben, kann dieser im Sinne einer selbstlernenden Organisation weiterentwickelt werden. „Es ist uns ausgesprochen wichtig, hier abteilungsübergreifend zu agieren und alle Kollegen mitzunehmen“, erklärt Gütle.

Das Training findet in Form einer Simulation statt. In vier Spielrunden, in denen die reale Situation vom Lager über die Produktion bis zum Versand nachgestellt wird, erarbeiten die Teilnehmer einen idealen Prozess. Ziel ist es, 30 Motoren in 30 Minuten zu bauen. Anfangs schaffen die Teams zumeist vier bis fünf Motoren in der vorgegebenen Zeit. Durch schrittweise Optimierungen, die durch das Team erarbeitet werden, steigert sich der Output von Runde zu Runde auf die angestrebten 30 Motoren. Zwischen den einzelnen Spielrunden werden den Teilnehmern die wesentlichen Grundprinzipien der Lean Philosophie näher gebracht, welche direkt im Anschluss in der Simulation angewendet werden können.

Entscheidend für diese Form der Schulung ist das Lernen durch Erleben.

Franziska Gütle, Atlas Copco IAS

Im Mittelpunkt stehen dabei das Arbeiten im Team und die Erkenntnis, dass eine Produktivitätssteigerung nicht automatisch gleichzusetzen ist mit schneller oder mehr Arbeiten.

Derzeit liegt der Schwerpunkt des Lean-Trainingsprogramms noch stark auf dem Bereich Produktion und Logistik. Aufgrund der dort gemachten, positiven Erfahrungen und der Erkenntnis, dass eine unternehmensweite Implementierung des Lean-Gedankens ein enormes Potential bietet, steht eine Ausweitung des Trainingsprogramms auf die Administration unmittelbar bevor.

Wertstromorientierte Projekte zur Anwendung und Umsetzung des Lean-Gedankens

Lean ManagementAn das Training schließen sich abteilungsübergreifende Workshops in kleinen Teams an. Ausgehend von den Kundenanforderungen wird gemeinsam eine Wertstromanalyse durchgeführt und auf dieser Basis gemeinsam ein neuer Prozessablauf definiert. So lassen sich beispielsweise die Durchlaufzeiten für kleine Baugruppen bis zu 60% reduzieren. Der Fokus liegt bei diesem Vorgehen nicht nur auf der Optimierung einzelner Arbeitsplätze, sondern auf der Gestaltung der gesamten Prozesskette. Ein weiterer Vorteil dieses Vorgehens ist, dass durch die gemeinsame Arbeit ein höheres Prozessverständnis bei allen Mitarbeitern erzielt wird und gleichzeitig Blockaden zwischen den Abteilungen reduziert werden. Dieses vernetzte und ganzheitliche Arbeiten ist die Basis für eine nachhaltige Verankerung der Lean Philosophie im beruflichen Alltag und gibt den Mitarbeitern die Möglichkeit, durch Einbringung eigener Ideen ihren Arbeitsplatz mitzugestalten.

Auf dem Weg zu Industrie 4.0

Die Digitalisierung wird dabei zukünftig die Umsetzung von effizienten Prozessen unterstützen und kann dazu beitragen, die Komplexität entlang der Wertschöpfungskette zu reduzieren. Die zunehmende Nachfrage von individuellen Kundenlösungen sowie die Globalität werden dazu führen, dass Prozesse zukünftig immer komplexer werden und die Wirkung der Lean-Methoden an eine Grenze stoßen. „Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, den Lean-Ansatz als Basis zu wählen und diesen mit den Möglichkeiten der Industrie 4.0 zu kombinieren. Wir sehen hierin den für den Kunden größten Mehrwert“, fasst Franziska Gütle zusammen.

Die Gestaltung einer schlanken, robusten Auftragsabwicklung mithilfe der Lean-Methoden, eine kontinuierliche Verbesserungskultur und die Ausrichtung der Organisation nach Wertströmen bilden das Fundament, um mit dem Schritt in die Welt der Digitalisierung zu starten. Der Ausbau des Lean-Trainingsprogramms und der Aufbau von Wissen sind dazu unabdingbar und ein nicht unerhebliches Investment in alle Mitarbeiter, das sich aber lohnt. Davon ist man bei Atlas Copco IAS überzeugt.

Automatisierte Klebstoffapplikation im Automobilbau

Applikationsarten, automatisierte Klebeanlagen und der Aufbau von automatisierten Klebesystemen: Erfahren Sie im Praxixbericht der Atlas Copco IAS bei unserem Seminar „Kleben“, was Sie rund um diese Schlüsseltechnologie wissen müssen und wie Lean, Industrie 4.0 und KVP in diesem Unternehmen gelebt werden.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Personal-, Produktions- und Soft Skills-Themen zuständig. Ich betreue außerdem den Blog zu den Iran-Veranstaltungen. In diesen Portalen informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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