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Smart Living: So sieht die Zukunft des Wohnens aus

Smart Living, Smart Home, Wohnen, Leben

Die Digitalisierung von Leben und Arbeiten bedingt auch neue Lebensstile und Stadttypen. Wohnen vernetzt sich immer mehr mit der Stadt und ihren Dienstleistungen. Was das für das Wohnen in der Zukunft und die Entstehung neuer Märkte bedeutet, haben wir Steffen Braun vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) im Vorfeld unserer Strategiekonferenz Living & Home 2017 im Interview gefragt.

Dipl.-Ing. Steffen Braun ist seit 2016 Mitglied des Direktoriums und Leiter des Geschäftsfelds „Mobilitäts- und Stadtsystem-Gestaltung“ am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart. In seiner aktuellen Funktion verantwortet Steffen Braun u. a. das Ambient Mobility Lab zu visionären Mobilitätssystemen mit dem Senseable Cities Lab des Massachusetts Institute for Technology (MIT) und die Fraunhofer-Initiative Morgenstadt.

Er ist Mitglied in mehreren Expertengremien, Beiräten und Arbeitsgruppen zu E-Mobilität, Stadtverkehr von übermorgen, Leichtbautechnologien und Smart Cities.

Die gute Vernetzung der digitalen Welt wird real!

Herr Braun, Sie sprechen auf unserer Strategie-Konferenz Living & Home zum Thema „Urbanes Wohnen: Smart Living & Microhousing in der Morgenstadt“. Wie werden sich denn Städte in näherer Zukunft verändern?

Man muss berücksichtigen, wie sich die Stadt bisher entwickelt hat und welchen doch großen Einfluss technische Neuerungen, oft im Bereich des Verkehrs, hatten – zum Beispiel die Eisenbahn, das Automobil aber auch das Internet. Dies passierte aber immer auf der Historie einer gebauten Stadt und gebauter Umgebungen.

Ich gehe davon aus, dass die Städte in Deutschland viel dichter bebaut sein werden, ähnlich wieder wie früher. Aber mit hoher Lebensqualität, einer Vielzahl von gemeinschaftlichen Funktionen und völlig neuen Flächennutzungen im öffentlichen Raum, weil durch die Automatisierung der Mobilität bis zu 50 Prozent heutiger Parkplätze und Verkehrsflächen überflüssig werden können – wenn wir es wollen…

Einer der schönsten Trends ist dabei, dass wir die Vernetzung der digitalen Welt, mit mehr als zwei Milliarden Nutzern auf Facebook zum Beispiel, wieder in die reale Welt übertragen können. Das heißt, dass wir sozialer zusammenleben, mehr gemeinsam unternehmen und neue „Micro-Communities“ entstehen auf der Ebene von Nachbarschaften und Stadtquartieren.

Das digital vernetzte Zuhause als Portal in die Stadt von morgen

Für die Einrichtungsbranche sicherlich interessant: Wie wohnen die Menschen in Zukunft in der Stadt? Was bedeutet die zunehmende digitale Vernetzung für die eigenen vier Wände?

Nun gut, während der Trend zu „Microhousing“ noch belächelt und als Nebeneffekt in IT-Hochburgen definiert wird („Da leben nur IT-ler drin, die eh nie zuhause sind“), dürfte klar sein, dass wir viel zu viel Wohnfläche mit viel zu wenig Menschen bewohnen – sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Unsere vier Wände sind kaum mehr angepasst an unterschiedliche Lebensstile und eine multi-lokale Lebens- und Arbeitswelt – das war in den Altbauwohnungen der Gründerzeit anders. AirBnB kam ja nicht ganz von ungefähr, sondern besetzt eine wachsende Nische in attraktiven Großstädten dieser Welt.

Dazu kommt das Thema wohnungsnaher Dienstleistungen, neudeutsch auch „Smart Living“ genannt, was einen großen Einfluss auf die gesamte Infrastrukturentwicklung einer Stadt haben kann. Beispielsweise erzeugen hocheffiziente Wassersysteme andere Kanalisationen, Micro-Smart Grids (dezentrale Energie-Inseln) andere Energieversorgungskonzepte und Mobilitätsplattformen andere Formen der verkehrlichen Anbindung.

Kurzum: Das digital vernetzte Zuhause wird immer mehr zum Schlüssel und „Portal“ in die Stadt von morgen, mit allen Vor- und Nachteilen. Und ob wir wirklich in jeder Wohnung zukünftig eine konventionelle Küche brauchen, wenn wir Essen (Convenience Food) sogar per Same-Hour-Delivery geliefert bekommen, scheint auch eine berechtigte Frage – gerade bei der kommenden Generation der „Digital Natives“, die ab 2020 global 50 Prozent des gesamten Arbeitsmarkts ausmachen. Und das autonome Fahrzeug von morgen wird auch Schlafkapsel, Wohnzimmer oder mobiles Büro sein können.

Wer in Zukunft noch in einzelnen Möbelstücken denkt und nicht in vernetzten „Smart Environments“, macht etwas falsch.

Steffen Braun, Geschäftsfeldleitung, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO)

Wie sieht das Smart Home der Zukunft aus?

Werden im Smart Home neue Märkte für Möbel- und Einrichtungshersteller entstehen?

Davon bin ich überzeugt. Wobei ich in der Branche noch ein gigantisches Innovationspotenzial sehe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die heutigen Smartphone-Apps, mit denen ich Möbel per erweiterter Realität (AR) direkt nach Hause projizieren kann, sind ja eher ein Gimmick innerhalb bestehender Vertriebsprozesse. Neue Märkte sehe ich dabei stark entlang des Lebenszyklus von Wohnen: Wenn ich zum Beispiel als Immobilienentwickler direkt automatisierte Möbel einplane, brauche ich andere Grundrisse, kann aber andere Erträge generieren.

Außerdem spielt hier Sensorik, Vernetzung und Interaktion zwischen Mensch und Umgebung mit Sicherheit eine größere Rolle in Zukunft. Dies bedeutet, dass sich auch die Wohnungseinrichtung von morgen – ähnlich wie heute ein Smartphone oder ein vernetztes e-Auto – bald über zusätzliche integrierte Dienste definieren wird. Ob dann individuelles Design noch Mehrpreise rechtfertigt, wenn wir neue additive Fertigungsverfahren etabliert haben, bleibt abzuwarten. Aber wer dann noch in einzelnen Möbelstücken denkt und nicht in vernetzten „Smart Environments“, macht etwas falsch. Nicht zuletzt müssen wir uns aber immer überlegen: Was macht ein gutes Zuhause aus? Wo bin ich zuhause? Also zeitlose Fragen in einer hochdynamischen Zeit.

Die Stadt von morgen braucht innovative Konzepte

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) beschäftigt sich im Rahmen der Morgenstadt-Initiative intensiv mit der Stadt von Morgen. Können Sie unseren Lesern einen kurzen Überblick zu den Zielen der Initiative geben?

In der Morgenstadt-Initiative haben wir bereits vor Jahren angefangen, über die nachhaltige, zukunftsweisende und vor allem lebenswerte Stadt von morgen nachzudenken, als die wenigsten Menschen sich der Thematik bewusst waren. Wir haben weltweit über drei Viertel der Menschheit in Städten leben – und das in einem nie dagewesenen Ressourcenverbrauch. Die Fraunhofer-Gesellschaft betreibt als unabhängige Organisation angewandte Forschung für eine nachhaltige Entwicklung, dabei spielen Städte als Wirtschafts- und Lebensräume eine zentrale Rolle.

An unserem Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart denken wir seit Jahrzehnten die Zukunft von Leben und Arbeiten voraus und entwickeln mit Partnern innovative Konzepte und neue Geschäftsmodelle. In der Morgenstadt-Initiative arbeiten wir hierzu mit über dreißig Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft zusammen und haben bereits zahlreiche Projekte in Städten wie München, Stuttgart, Berlin, Eindhoven oder Manchester initiiert oder wissenschaftlich begleitet.

Vielen Dank für das Interview!

Wie verändert sich die Branche durch die wandelnden Lebensweisen?

Auf der verbandsunabhängigen Strategie-Konferenz Living & Home 2018 am 06. und 07. November 2017 sprechen Praxisreferenten und Branchenexperten über die Zukunft der Möbel- und Einrichtungsbranche. Treffen Sie u. a. Steffen Braun und erfahren Sie mehr über die Fraunhofer-Initiative Morgenstadt und innovative Lösungen für die Stadt von morgen.

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Martina Große Bley

Ich bin bei Management Circle für die Themen-Blogs Soft Skills und Projektmanagement verantwortlich. Mit abwechslungsreichen Artikeln, Interviews und Gastbeiträgen unserer Referenten informiere ich Sie über Tipps und Tricks, um die eigenen Kompetenzen noch weiter verbessern zu können. Ich freue mich auf den Wissensaustausch mit Ihnen!

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