M-Pesa: So wurde Kenia zum internationalen Vorreiter beim Mobile Payment

Landschaft In Kenia

Mal ehrlich, wenn Sie an besonders innovative Länder denken, würde Ihnen da Kenia einfallen? Keine Sorge, uns auch nicht. Dennoch ist das, was sich in Deutschland nur mühsam ausbreitet, in Kenia nicht nur ein alter Hut. Es ist *das* bevorzugte Bezahlverfahren des Landes: Mobile Payment.

Kenia: Strukturschwache Regionen, Landflucht und viele Mobiltelefone

Auch wenn man sich nicht von Vorurteilen gegenüber Afrika blenden lassen sollte, gibt es in vielen subsaharischen Staaten durchaus Probleme. So auch in Kenia, dem Land, um das es hier geht.

Nehmen Sie zum Beispiel die Bevölkerungsdichte des Landes: Während wir in Deutschland wenige wirklich große Städte haben, dafür aber viele kleine, gut angebundene Orte mit eigener Infrastruktur, hatte Kenia in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark mit der Landflucht zu kämpfen. Menschen strömten in Städte wie Nairobi und schwächten damit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der ländlichen Regionen. Kein Wunder, denn in den Städten sind die Jobs und das Geld, das man seinen Verwandten regelmäßig wieder nach Hause bringt.

Kilimanjaro in Kenia

Kenia hat zudem gut 200.000 Quadratkilometer mehr Fläche als Deutschland, dafür aber „nur“ 46 Millionen Einwohner. Gerade im Osten des Landes gibt es riesige Landstriche mit einer Bevölkerungsdichte von unter 10 Einwohnern pro Quadratkilometer. Wichtige Infrastruktur – wie beispielsweise Bankfilialen! – gibt es in solchen Regionen kaum. Im Jahr 2010 waren zum Beispiel nur etwa 13 Prozent der kenianischen Haushalte an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.

Demgegenüber verbreiten sich, verständlicherweise und wie in vielen Ländern Afrikas, seit der Jahrtausendwende Mobiltelefone, heute Smartphones, sehr stark. Die Mobilfunkreichweiten in dem Land sind gut ausgebaut und in Dörfern findet man für Telefone Solarstationen, an denen man sein Telefon aufladen kann.

M-Pesa: Wie ein Telekommunikationsunternehmen mobiles Bezahlen durchsetzte

Eine der größten Mobilfunkfirmen in Kenia ist Safaricom. (Das Unternehmen wird zu 40 Prozent von Vodafone UK gehalten.) Eines der beliebtesten Produkte des Unternehmens heißt Airtime, ein Prepaid-Produkt, das Anfang des 21. Jahrhunderts für Aufmerksamkeit sorgte. Denn das britische Department for International Development fand 2002 heraus, dass Kenianer Airtime nicht nur zum Telefonieren nutzten, sondern auch als Zahlungsmittel. Ohne lange Reisewege konnte man sich gegenseitig Airtime kaufen, erhaltene Airtime wiederum weiterverkaufen. Diese Zahlungswege entwickelten sich spontan in der Bevölkerung, geboren aus der Strukturschwäche vieler Regionen des Landes.

Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte Safaricom die App „M-Pesa“. Der Name ist ein Hybrid aus „M“ wie „Mobile“ und dem Wort „Pesa“, das auf Swahili so viel wie „Bargeld“ bedeutet. Die App wurde 2007 in Kenia eingeführt. Das Konzept und die angebotenen Services sind denkbar einfach, sollte man meinen. Die App ist sozusagen eine Bank für die Hosentasche: Nutzer können damit Geld auf ihr Konto legen oder es abheben, Geld überweisen, Rechnungen bezahlen und auch Airtime kaufen.

Das Geld, das über M-Pesa fließt, liegt nicht etwa bei Safaricom, sondern auf Konten bei mehreren Geschäftsbanken, die in Kenia ordentlich reguliert werden. Safaricom kann auf das Geld überhaupt nicht zugreifen und bietet lediglich den Service an. Über den Dienst werden hauptsächlich kleinere Summen transferiert, während für große Beträge ganz normal über die Bank überwiesen wird. M-Pesa ist zudem mehr als nur eine App: Überall in Kenia gibt es „Kiosks“, an denen auch echtes Bargeld auf den M-Pesa Account eingezahlt werden kann. Das ist daher wichtig, da tatsächlich 80 Prozent der Bevölkerung eigentlich nicht an eine Bank angeschlossen sind. Mittlerweile gibt es in Kenia 100 Mal so viele M-Pesa-Kiosks wie Bankautomaten.

Der Zeit und dem Geld, die die Menschen mit M-Pesa sparen, da sie weniger reisen müssen, wird zugeschrieben, dass in dem Land die Armenrate abnimmt. Das liegt daran, dass der Service dort wirklich weit verbreitet ist…

M-Pesa ist unheimlich erfolgreich!

Das kann man schon mal mit Ausrufezeichen sagen: M-Pesa ist wirklich unheimlich erfolgreich! Derzeit hat Safaricom ungefähr 26,6 Millionen Kunden. Und 19 Millionen davon nutzen den Dienst. Das ist fast die Hälfte der gesamten Bevölkerung des Landes. 43 Prozent des kenianischen BIP flossen bereits 2013 durch die App, im selben Jahr wurden 237 Millionen Transaktionen zwischen Einzelpersonen durchgeführt.

Für Safaricom ist das alles ein Riesenerfolg: Das Unternehmen generiert gut ein Drittel seiner gesamten Einnahmen über den Service. Kein Wunder also, dass bereits ordentlich expandiert wurde. Zunächst in Entwicklungsländer wie Tansania, Bangladesch, Pakistan und Afghanistan, dann nach Südafrika und Indien, neuerdings aber auch mit einem Pilotversuch in Europa nach Rumänien. Weltweit hat M-Pesa bereits 30 Millionen Nutzer, Tendenz steigend.

Kenia Flagge

Lässt sich so ein Erfolg in Deutschland kopieren?

Erstmal scheint mit Beispielen wie aus Kenia, aber auch aus unseren skandinavischen Nachbarländern eins klar: Bezahlen ist wohl auch Gewohnheitssache. In Deutschland ist die Bevölkerung von der Mentalität her gerade erst dabei, sich an digitale Bezahlverfahren zu gewöhnen – und das Smartphone kommt gerade erst langsam in das Bewusstsein der Leute. Gerade da liegt aber für Anbieter eine Chance. Denn Beispiele wie PayPal zeigen, dass auch hier die Menschen bereit sind, solche Dienste zu nutzen. Sie müssen und unkompliziert und leicht zugänglich sein. (PayPal hat in Deutschland 20 Millionen Nutzer.)

Im Bereich des Mobile Payment, ist diese Situation in Deutschland noch nicht gegeben. Denn der Markt ist unübersichtlich und im Alltag denken noch nicht viele Leute daran, dass sie ihr Telefon überhaupt zum Zahlen benutzen könnten. Doch betrachtet man die Oligopolisierungstendenzen auf solchen Technologiemärkten, liegt gerade darin die Chance: Denn, wer schnell ein gutes Produkt anbietet, könnte sich hier ganz schnell einen entsprechenden Markt sichern. Denn auch in Deutschland wird die Filiallandschaft der Banken dünner, die Standorte seltener aufgesucht…

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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