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Kooperation statt Disruption: Wie die Immobilienbranche mit Hightech-Unternehmen arbeitet

Julius Bachmann Kooperation Disrupt

Julius Bachmann ist der Meinung, dass die Bau- und Immobilienbranche sich nicht vor Startups nicht fürchten sollte. Er setzt auf Kooperation statt Disruption. Denn beide können von einer Zusammenarbeit profitieren. Wie diese Kooperation gelingen kann, berichtet der Venture Capital Investor in diesem Beitrag.

Julius Bachmann ist Venture Capital Investor bei Redstone und konzentriert sich auf Frühphasen- bis Wachstumsinvestments in PropTech, FinTech, Industrials und Mobility Startups. Er arbeitete bei Ernst & Young sowie bei dem US/UK Venture Fund Flight Ventures, bevor er bei Redstone die Betreuung der Berliner Volksbank Ventures und Deutsche Bahn Digital Ventures übernahm.

2017 wurde Julius aufgrund seiner Arbeit vom Forbes Magazin unter die „30 under 30 Finance Professionals“ gewählt.

PropTech – Warum jetzt gerade interessant?

Seit geraumer Zeit ist der Begriff ‘PropTech’ in aller Munde – in der Startup-Branche, unter Technologie-Investoren sowie mehr und mehr auch in der klassischen Immobilienbranche. Und das nicht ohne Grund: PropTech ist mehr als ein Buzzword, es ist ein gut finanziertes Feld im Technologiesektor: 2016 sammelten PropTech-Unternehmen global knapp 2,7 Milliarden US-Dollar ein. Darunter fallen junge Startups, die noch in der frühen Entwicklungsphase sind, sowie erfolgreiche PropTech-Unternehmen wie Lianjia, eine chinesische Online-Plattform für Immobilienverkauf und -vermietung, die allein bereits 1,7 Milliarden US-Dollar an Wagnisfinanzierung erhielt.

Der Smart City-Markt, der 2017 schon über 400 Milliarden US-Dollar umfasst, soll bis 2022 auf 1,2 Billionen US-Dollar wachsen. Angefeuert von innovativen Startups und Initiativen von existierenden Immobilien- und Technologiefirmen. Solche Ansätze nehmen heute schon konkrete Form an: Google verfolgt in Kanada Pläne, eine umfassend digitale Stadt zu errichten, genauso in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Stadtbilder werden dadurch nachhaltig verändert. Auch neue Technologietrends wie das Internet der Dinge und dezentrale Netze finden heute in der Bau- und Immobilienbranche Anwendung. Ergo: PropTech heißt schon heute weitaus mehr als nur Vergleichsportale und wird wie andere Industrien, beispielsweise die Bankenwelt, von einer Reihe von neuen Technologien befeuert.

Der PropTech-Blick auf Deutschland: Startups im Immobiliensektor – eine Innovation?

Nein, im Gegenteil. Schon seit zwanzig Jahren – mit dem ersten Internet-Boom der neunziger Jahre – gibt es im deutschsprachigen Markt digitale Modelle im Bau- und Immobiliensektor. Die meisten “Challenger” tummelten sich um den Marktplatz des Kaufes oder der Vermietung von Immobilien (u. a. http://www.scout24.com/) und deren Finanzierung (u. a. https://www.interhyp.de/). Ein starker Fokus lag auf transaktionalen Geschäftsmodellen. Heutzutage sind diese Modelle gezeichnet von hohen Akquisitionskosten und starker Konkurrenz. In der Zusammenarbeit mit dem FinTech- und PropTech-Fund Berliner Volksbank Ventures beobachteten wir bei Redstone in den letzten 2,5 Jahren einen zunehmenden Übergang von Konsumenten-orientierten (B2C-) Modellen hin zu Geschäftskunden-orientierten (B2B-) Modellen. Heute sehen wir nicht nur Maklertools, Verwaltungsplattformen ( https://www.habitalix.de/) und Infrastruktur für Asset Manager, sondern auch Unternehmer, die günstige und performante Sensortechnologie im Bereich Building Management Systems einsetzen und die Daten aggregieren (u. a. https://www.locatee.ch/de/). Immer mehr wird auch die Baubranche von innovativen, jungen Firmen bedient, zum Beispiel im Projektmanagement (u. a. https://www.planradar.com/de/) und in der Materialbeschaffung (u. a. https://www.klarx.de/).

Berührungspunkte mit der Industrie schaffen

Für etablierte Marktteilnehmer stellt sich die Frage, wie sie mit Startups in produktiven Austausch treten können. Aus unserer Erfahrung bei Redstone sind vier Ansätze denkbar:

1

Austausch mit dem Kunden: Als Zulieferer im normalen Betrieb sind Startups bereits heute zuverlässige Partner. Dabei ist aber die Auseinandersetzung mit Firmen im operativen Alltag wichtig. Pilotprojekte mit Innovationsabteilungen stellen weder ausreichend operativen Mehrwert sicher, noch ermöglichen sie den

2

Austausch in vertiefter Partnerschaft: Der nächste Schritt in der Zusammenarbeit ist eine gemeinsame Produktentwicklung oder Vertriebspartnerschaft. Etablierte Unternehmen profitieren von den kurzen Iterationen eines kleineren Entwicklungspartners, Startups von der Branchenerfahrung und der Reichweite des Corporate Partners. Oft sind diese gemeinsam definierten Projekte der Beginn einer strategischen Partnerschaft, dürfen aber nicht mit einem Pilotprojekt verwechselt werden.

3

Austausch durch opportunistische Beteiligung: Gerade in der Immobilienbranche ist das Tätigen von Investments und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Asset Klassen Tagesgeschäft im C-Level. So fällt es vielen Corporates nicht schwer, auch den Schritt in Richtung Corporate Venture Capital zu tun. Bei einer opportunistischen Strategie ergeben sich Minderheitsbeteiligungen meist durch eine vorhergegangene Zusammenarbeit auf operativer Ebene. Wichtig ist, dass durch die Beteiligung die weitere Finanzierung des Startups nicht gefährdet wird – der Anschein eines strategischen Motives (zum Beispiel aufgrund von Vorkaufsklauseln) würde private Investoren abschrecken.

4

Austausch durch den Aufbau eines Accelerator oder CVC-Portfolios: Der Aufbau eines Corporate Venturing Vehikels schafft gegenüber opportunistischen Investments eine breitere Diversifizierung und ermöglicht einen tiefen Einblick als Gesellschafter in die Agenda der Beteiligungen. So kann in der operativen Zusammenarbeit der größte Wert gehoben werden. Auch Accelerators sind derzeit bei vielen Corporates beliebt, oft stolpern die Programme aber über die fehlende Einbindung der Linienorganisation.

Welche Rolle kann ein externer Partner in diesem Prozess spielen?

Die Auswahl der richtigen Startups ist zentral für den Erfolg der Zusammenarbeit. Diese Auswahl sollte nicht nur von Branchenexperten, sondern von Experten für digitale Geschäftsmodelle und jungen, aber stark wachsenden, Startups erfolgen. Selbst für eine reine Zusammenarbeit ist dabei die Sicht auf die Firmen als Investor hilfreich: Die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells kann mit Investorenunterlagen weitaus besser beurteilt werden als anhand einer Produktbroschüre.

Startups

Investieren ist kein Muss – ein bewusste Strategie aber sehr wohl

Obwohl die Bau- und Immobilienbranche in absehbarer Zeit nicht “disrupted” wird, ist das Verständnis von digitalen Modellen unerlässlich. Das bedeutet nicht, dass jeder Projektentwickler nun als Investor aktiv werden muss – doch ohne eine bewusste Auseinandersetzung mit der Frage “Wie interagiere ich mit der digitalen Welt und mit Startups?” kommt in 2018 auch die Bau- und Immobilienbranche nicht mehr aus.

Informieren Sie sich jetzt!

Treffen Sie Julius Bachmann auf dem Immobilienforum Wien am 14. Februar 2018 und diskutieren Sie mit ihm und anderen Immobilienentscheidern Wiens über die Zukunft der Wiener Immobilienwelt.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Bachmann,
    meine Erfahrungen mit PropTech-Startups geht eher dahin, dass entweder versucht wird, Lösungen zu entwickeln, die den Makler überflüssig machen sollen, (Diese Ansätze sind bisher meiner Kenntnis nach gescheitert.) oder sich wie diverse Leadgeneratoren als Parasiten zwischen den Makler und den Kunden hängen (dieses Modell scheint erstaunlich gut zu funktionieren.). Wenn die Startups ein schlüssiges Konzept haben, das funktioniert, werden Sie nicht selten von Scout24 oder anderen übernommen. Damit bleibt die Immobilienbranche nach wie vor relativ weit von innovativen Einzelkämpfern entfernt, was sicherlich auch daran liegt, dass die gesamte Branche offensichtlich wenig innovationsfreudig zu sein scheint.

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar! In der Tat waren der deutsche Proptech Markt in den letzten Jahren von transaktionalen Geschäftsmodellen geprägt – insb. von Firmen im Miet- und Kaufmarkt. In 2017 haben wir allerdings eine deutliche Zunahme bei anderen Geschäftsmodellen und Funktionen festgestellt und sind zuversichtlich, dass sich dieser Trend zu „tiefergreifenden Innovationen“ fortsetzen wird.

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