Keiner ist vor einer Disruption sicher – nicht einmal Google und Co.

Jens Uwe Meyer

Wir haben bereits zu einem früheren Zeitpunkt erklärt, was es mit der gefürchteten Disruption auf sich hat und was diese von der Digitalisierung unterscheidet. Aber sind Disruptoren wie Google und Amazon eigentlich selbst sicher? Und wie können sich etablierte Unternehmen transformieren? Wir haben den Innovationsexperten  Dr. Jens-Uwe Meyer in einem exklusiven Interview dazu befragt.

Dr. Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innolytics GmbH. Sein Unternehmen entwickelt digitale Beratungsprozesse, um das Know-how von Kunden- und Unternehmensberatern zu digitalisieren. Er ist Autor zahlreicher Bücher zum Thema Innovation.

Im Herbst 2016 erscheint sein neues Buch „Digitale Disruption – Die nächste Stufe der Innovation“. Im exklusiven Interview verrät er, welche Branchen seiner Meinung nach am stärksten von der Disruption betroffen sind und was der größte Fehler von Unternehmen im digitalen Zeitalter ist.

Jeder ist von der Digitalisierung betroffen

Herr Dr. Meyer, welche Branchen sind Ihrer Meinung nach am stärksten von der Disruption betroffen und gibt es Branchen, die nichts zu befürchten haben?

Es gibt praktisch keine Branche, die nicht von der Digitalisierung betroffen ist. Selbst Produkte, die scheinbar weit weg sind, werden in wenigen Jahren wie selbstverständlich digital sein. Nehmen wir an, Sie produzieren Mutterboden für Gewächshäuser. Scheinbar hat das nichts mit der Digitalisierung zu tun. Das Gewächshaus der Zukunft wird aber durch Sensorik und Roboter bestimmt. Als Hersteller eines eigentlich vollkommen „undigitalen“ Produkts müssen Sie sich genauso über die Digitalisierung Gedanken machen, wie zum Beispiel ein Einzelhändler, der die Folgen der Digitalisierung bereits heute massiv zu spüren bekommt.

Omnichannel, Kommunikation, Erfolg, Schlüsselfaktoren

Sind die Big-Four sicher vor einer Disruption?

Sie haben in Ihrem Fachforum auf der World of Cloud Beispiele aufgezeigt, wie etablierte Unternehmen an der Digitalisierung scheitern. Doch was ist mit den großen Internetgiganten wie Google, Apple, Facebook und Amazon, können Sie auch von der disruptiven Energie erfasst werden oder sind diese für immer sicher?

In Zeiten der Digitalisierung kann sich niemand seiner Position auf Dauer sicher sein. Alles ist ständig in Veränderung und im Wandel. Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass MySpace, das führende soziale Netzwerk, einfach in die Bedeutungslosigkeit verdammt wird? Wer hätte gedacht, dass AltaVista, früher die führende Suchmaschine, praktisch über Nacht ihre führende Position verliert? Google, Facebook und Amazon kann es theoretisch genauso treffen, wie andere Unternehmen. Doch es gibt eines, was diese Unternehmen sicher macht. Ihre Unternehmenskultur. Egal, mit wem Sie in diesen Unternehmen reden: Es ist alles immer auf Innovation und Fortschritt ausgerichtet. Das Bestehende wird niemals als gesetzt, sondern immer nur als Zwischenstufe betrachtet. Diese Unternehmen haben es geschafft, eine Unternehmenskultur zu etablieren, in der Mitarbeiter hungrig auf Neues sind. Das unterscheidet sie von vielen schwerfälligen Unternehmen, die ihre Strukturen jahrelang auf Stabilität ausgerichtet haben.

Agil wie Google und Co.

Wie schaffen es die etablierten Unternehmen, ihre Prozesse trotzdem zu optimieren und genauso schnell und agil zu agieren wie Startups oder die BIG Four?

Das Management von Unternehmen muss sogenannte „schizophrene Strategien“ entwickeln. Das heißt: Mit vollem Herzen das bestehende Geschäft weiter optimieren und durch inkrementelle Innovationen vorantreiben und mit genauso vollem Herzen alles daran setzen, das etablierte Geschäft zu kannibalisieren. An dieser scheinbaren „Schizophrenie“ scheitert das Management oft. Es erscheint widersprüchlich. Letztlich ist das aber die einzige Chance, um gleichermaßen das Bestehende nicht leichtsinnig aufs Spiel zu setzen und Raum für das Neue zu schaffen.

Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Nehmen Sie Unternehmen wie Cewe Color. Als um die Jahrtausendwende immer deutlicher wurde, dass die Digitalisierung die Analogie-Fotografie ablöst, entschloss sich das Unternehmen zu einem radikalen Schritt. In einer Halle wurde das klassische Geschäft weiter getrieben und optimiert. In einer anderen das Geschäft von Morgen entwickelt. Dabei war klar: Je erfolgreicher die Neuentwicklung, desto schneller wird das klassische Geschäft sterben. Das Unternehmen hatte damals jedoch erkannt: Es ist besser sich selbst zu kannibalisieren, als von anderen gefressen zu werden.

Die Fehler in einer digitalen Welt

Was ist der größte Fehler, den ein Unternehmen im digitalen Zeitalter machen kann?

Aktuell ist es en Vogue „was mit Startups“ zu  machen. Scheinbar jedes Unternehmen, das sich in Richtung der Digitalisierung bewegt, scheint als ersten Schritt eine Startup-Kooperation zu sehen. Dagegen ist nichts einwenden, doch wenn man es dabei belässt, ist das ein großer Fehler. Zum einen verfolgen Startups stets ihre eigene Agenda, zum anderen hilft es nicht, wenn sich Geschäftsführung und Vorstand in der Presse mit Startup-Gründern fotografieren lassen, das Unternehmen zuhause aber genauso schwerfällig bleibt wie vorher. Digitale Innovation betrifft das gesamte Unternehmen!

Rückblick Disrupt 2016

Rückblick Disrupt 2016

Disruption ist beängstigend, niemand ist vor ihr sicher. Unternehmen wie Siemens, AXA und BMW berichten in diesem Rückblick, wie sie im digitalen Zeitalter überleben wollen. Und auch Startups kommen zu Wort!
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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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