[Interview] Ralf Lenninger über die Digitalisierung der Automobilbranche

Ralf Lenninger

Die Automobilbranche wurde von der Digitalisierung erfasst. Nicht nur Autohersteller beschäftigen sich mit dem Cloud Computing. So setzt beispielsweise Continental auf die Vernetzung von Fahrzeugen und das in Zusammenarbeit mit IBM und HERE. Ralf Lenninger berichtet, warum Continental gerade diesen Weg eingeschlagen hat.

Durch Zusammenarbeit erlangen wir Know-how oder öffnen den Zugang zu Märkten und zwar hocheffizient und schnell.

Ralf Lenninger, Continental Automotive GmbH, Schwalbach am Taunus

Ralf Lenninger ist Senior Vice President im Bereich Interior Electronic Solutions Division Interior bei Continental. In der Division Interior dreht sich alles um das Informationsmanagement im Fahrzeug und darüber hinaus. Zum Produktspektrum für verschiedene Fahrzeugkategorien gehören unter anderem Multifunktionsanzeigen und Head-up-Displays, Kontroll- und Steuergeräte sowie Lösungen und Dienste für Telematik und Intelligente Transport Systeme.

Wie kann die Cloud dazu beitragen, das Auto und damit auch den Verkehr zu verbessern?

Autonomes FahrzeugEs ist sicherlich kein Geheimnis mehr: Das Fahrzeug wird zum Teil des Internet of Everything. Dabei wird mit dem Einzug der digitalen Welt nicht nur das Nutzererlebnis für Fahrer und Passagiere durch vernetzte Unterhaltungs- und Informationsdienste immer attraktiver, die Vernetzung wird das Fahrzeug auch direkt verbessern. Denn, mit Hilfe der Cloud wird jedes Fahrzeug nicht nur zum Empfänger, sondern auch zum Sender von Informationen. Bereits aus der aktuellen Geschwindigkeit und der Position von Fahrzeugen kann man zum Beispiel exakt und aktuell bestimmen, wie der Verkehr fließt oder ob ein Stau droht. Hinzu kommen Daten wie Verkehrszeichen, Baustellen, Spursperrungen et cetera, die Fahrzeuge mit Ihren Sensoren sammeln. All diese Informationen können in der Cloud zu einem umfassenden, hochgenauen und hochaktuellen Bild zusammengesetzt werden. Wir nennen das dynamischer elektronischer Horizont, mit dem wir die Sichtweite des Fahrzeugs und des Fahrers erhöhen. Das Ergebnis ist eine Schwarmintelligenz, die auf die unterschiedlichste Weise genutzt werden kann: Autofahrer können Ihre Route sinnvoller planen, Verkehrsleitsysteme oder Navigationsgeräte können Umleitungen um Staus oder Baustellen dynamisch vorschlagen, so dass Ausweichrouten nicht verstopfen. Selbst das Fahrzeug kann diese Daten direkt nutzen, um beispielsweise das Energiemanagement von Hybridantrieben effizienter zu gestalten oder Fahrerassistenzsysteme bereits frühzeitig auf eine kommende Situation vorzubereiten. Damit wird der elektronische Horizont auch zu einem wichtigen Baustein für automatisiertes Fahren.

Welche Probleme können bei der Implementierung des Cloud Computings auftreten?

Für eine erfolgreiche Implementierung von Cloud Computing im Mobilitätssektor sind mehrere Faktoren entscheidend. Um Schwarmintelligenz zu schaffen, müssen wir zunächst dafür sorgen, dass sich ein Schwarm überhaupt bilden kann. Das heißt, wir müssen zum einen die technischen Voraussetzungen schaffen, dass sich Fahrzeuge mit Ampeln oder gar Zügen unterhalten können. Dabei geht es um Kommunikationsprotokolle, um gemeinsame Datenformate, um flächendeckende und ausreichend breitbandige Netze, um die Big Data Anwendungen, hochpräzise digitale Karten und vieles mehr. Es geht auf der anderen Seite aber auch darum, die richtigen Geschäftsmodelle zu finden, die einen Anreiz schaffen, um Systeme zu bilden, in denen Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller miteinander oder gar mit der Infrastruktur kommunizieren. Denn je größer der Schwarm, desto höher die Intelligenz und je mehr Verkehrsteilnehmer miteinander kommunizieren können, desto dichter ist auch die Informationsabdeckung und damit deren Qualität und Aktualität.

Welche Vorteile bringen Kooperationen im Bereich Cloud Computing? Sind diese in jeder Branche vorteilhaft oder gilt das vor allem für die Automobilbranche?

cloudIch denke, vernetzte Anwendungen, Dienste und Funktionen begünstigen ganz automatisch vernetzte Industrien. Wir erleben derzeit in so gut wie allen Industrien, dass Produkte sowie deren Herstellung und Vertrieb durch Digitalisierung und Vernetzung verändert werden. Das bietet traditionellen Unternehmen große Chancen, stellt sie aber auch vor Herausforderungen. Als Reifenhersteller und Automobilzulieferer haben wir uns dazu entschlossen, diesen Prozess zusammen mit Unternehmen wie IBM oder HERE anzugehen, die auf ihren Gebieten zu den Spezialisten und Marktführern gehören. Die Logik dahinter ist einfach: Durch Zusammenarbeit erlangen wir Know-how oder öffnen den Zugang zu Märkten und zwar hocheffizient und schnell. Dass das für die Automobilindustrie genauso gilt wie für andere Industrien, versteht sich aus meiner Sicht von selbst.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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