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[Interview] Ingrid Barouti: Stressmanagement ist auch eine Frage der inneren Haltung.

Belastbarkeit

Der Umgang mit Stress und äußerem Druck ist entscheidend für das Überleben im heutigen Berufsleben. Viele Menschen haben das Gefühl, dass es immer schwieriger wird, die Herausforderungen des Alltags zu bestehen. Wir müssen neben dem anspruchsvollen Berufsleben auch im privaten Bereich vielen Dingen gerecht werden, die uns oft überfordern. Ingrid Barouti ist seit vielen Jahren erfahrene Dozentin für Stressmanagement. Sie hat uns im Gespräch verraten, wie man die zahlreichen Faktoren für Stress bewältigt und warum die innere Einstellung oft Wunder für das Resilienztraining bewirken kann.

Resilienz ist keine Technik, sondern eine Eigenschaft, die viel mit der inneren Haltung zu tun hat.

Ingrid Barouti, Persönlichkeitstrainerin

Ingrid Barouti ist seit über 10 Jahren als Persönlichkeitstrainerin, Moderatorin und Coach tätig. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind neben Resilienz, Entspannung, Stressbewältigung und Burnout-Prävention alle Themen rund um Persönlichkeitsentwicklung und Selbstmanagement. Mit ihren zusätzlichen Qualifikationen als Heilpraktikerin (Psychotherapie) und zur Ganzheitlichen Entspannungspädagogin führt sie außerdem eine psychologische Praxis in Düsseldorf. Die Betriebspädagogin und Heilpraktikerin (Psychotherapie) war lange Jahre in der betrieblichen Weiterbildung sowohl für nationale als auch für internationale Unternehmen auch in Führungspositionen tätig. Ihre Arbeit fand auch Beachtung in den Medien (TV, Presse). Seit 2010 ist sie Weiterbildungsdozentin und bildet mit ihrer Erfahrung angehende Coaches aus.

Was raten Sie Ihren Kunden, damit die Work-Life-Balance nicht aus dem Ruder gerät?

Stressfaktoren liegen nicht nur in den beruflichen oder privaten Anforderungen oder in beruflichen oder privaten Konflikten, sondern auch in der eigenen Haltung beziehungsweise Anspruchshaltung dazu. Neben der Arbeitsbelastung spielen vor allem die eigenen Muster, mit Anforderungen und Problemen umzugehen, eine wesentliche Rolle, egal ob im Beruf oder im Privatleben.

Wesentliche Elemente, um die Work-Life-Balance wieder herzustellen sind:

Weniger aus einem Anspruch heraus zu leben. Hier sind der Perfektionismus, alles schnell machen oder es allen recht machen zu wollen wesentliche Stressverstärker.

Schwäche als normalmenschlich zu akzeptieren und gut für sich zu sorgen – und das nicht nur im Urlaub – sind weitere wichtige Elemente. Wer zum Beispiel Monate im Voraus auch privat „ausgebucht“ ist und keine Ruhephasen hat, um Kraft zu schöpfen, ist irgendwann ausgebrannt.

Wichtig ist auch, mit anderen zu reden. Viele erschöpfte Kunden bzw. Klienten tun Dinge, weil sie fest daran glauben und meinen zu wissen, was der andere erwartet.

Egal ob Vorgesetzter, Kollege oder Partner – wir überprüfen viel zu selten die eigene, ganz subjektive Wahrnehmung. Termine, Zeitpläne, Arbeitsanforderungen sind das eine – es muss der innere Druck dazu kommen, um Stress zu empfinden. Reden, alternative Angebote machen, gemeinsame Lösungen oder Kompromisse suchen kann für Entlastung sorgen.

Stressmanagement

Der Stress wird also nicht weniger, wenn man sich noch mehr anstrengt, sondern wenn man sich bewusst wird, wo die eigenen Ansprüche zu hoch und die eigenen Grenzen sind und daraus Konsequenzen ableitet. Auch wenn es nur kleine Veränderungen sind.

Wie ist das zu verstehen mit der Anspruchshaltung?

Menschen haben sich meist aufgrund ihrer Biographie bestimmte, meist unbewusste, hindernde Glaubenssätze und innere Antreiber angeeignet. Zum Beispiel neigen empathische Menschen manchmal dazu, jedem alles recht machen zu wollen. Die ursprüngliche Motivation und Gabe, sich einfühlen zu können wird dann zu einer inneren Forderung erhoben, die sich in Stress und Druck äußert. Das heißt, es geht darum, diese eigentliche Fähigkeit als Motivation zu erkennen, sie jedoch nicht zu einem Anspruch zu machen, an dem man sich misst.

Welche Warnsignale gibt es für das eigene Stressverhalten?

Dazu braucht es Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit. Die Gefühle und der Körper geben uns ständig Signale, wie es uns geht. Doch inmitten von Dynamik und Betriebsamkeit sind diese Signale häufig kaum „hörbar“. Die gute Nachricht ist, dass man das lernen kann. Man muss nicht warten, bis der Körper durch Erschöpfungssymptome anzeigt, dass es jetzt an der Zeit ist umzudenken. Doch alles hat seinen Preis. Wer gesund sein will, muss „ungesundes“ Denken, unstimmige Ansprüche und Verhalten opfern. Das geht leider nicht per Knopfdruck, sondern ist ein Prozess, der manchmal auch als schwierig erlebt werden kann.

Frauen sind oft sehr emotional. Kann man lernen, Gefühle etwas auszuschalten? Ist das überhaupt sinnvoll?

Im Gegenteil. Es geht sogar eher darum, Gefühle bewusst wahrzunehmen und die Bedürfnisse zu erkennen, die darin deutlich werden. Wer zum Beispiel wütend ist auf einen Kollegen müsste vielleicht schon lange etwas geklärt haben. Die Wut auszuschalten macht den Konflikt nicht kleiner. Die Wut teilt etwas mit, was beachtet werden will. Gefühle kann man nicht ausschalten, doch man kann lernen, sich von Gefühlen nicht beherrschen zu lassen.

Entspannung

Das geht übrigens auch Männern so, nur verpacken sie das anders als Frauen. Gefühle haben wir alle, nur der Umgang damit ist ganz unterschiedlich. Die einen haben einen stärkeren Zugang zu ihren Gefühlen, andere lehnen sie gar ab und haben eventuell gar keinen Zugang dazu. Sie sind auf jeden Fall weder richtig oder falsch. Gefühle sind Gefühle und sollten eher verstanden als unterdrückt werden.

Sie sprechen in Ihren Veranstaltungen oft von Resilienz. Können Sie uns erläutern, worauf es dabei ankommt?

Resilienz ist die Fähigkeit des Menschen, Krisen zu bewältigen, also die psychische Widerstandskraft in stürmischen Zeiten.

Resilienz ist keine Technik, sondern eine Eigenschaft, die viel mit der inneren Haltung zu tun hat. Resilienz kann man trainieren, kann man lernen, jedoch auch verlernen.

Widerstandskraft hat dabei weniger mit Härte und Starksein zu tun, sondern mehr mit dem Wissen um die eigenen Ressourcen, mit der Wahrnehmung der eigenen Gefühle und Bedürfnisse, mit Empathie und dem Kennen der eigenen Stolperfallen und Akzeptieren auch der eigenen Grenzen.
Auch die Gabe, sich selbst zu motivieren und zu ermutigen, und das Wissen, etwas bewirken zu können, sind wichtige Faktoren, wenn es um die Bewältigung von Herausforderung und Veränderungen geht.

Wer nicht an sich und seine Wirksamkeit glaubt, sich kaum selbst motivieren kann und sich Gefühlen häufig ausgeliefert fühlt, neigt in schwierigen Zeiten eher zu Kraftlosigkeit, Erschöpfung, Krankheit und Unzufriedenheit. Es gibt verschiedene Resilienz-Modelle, die unterschiedliche Faktoren beschreiben. Alle Modelle eint, dass psychische Widerstandkraft mit Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit einhergeht. Die meisten Ansätze heben auch Humor und Optimismus hervor, die in schwierigen Situationen Licht ins Dunkel bringen können.

Selbstverständlich gibt es schwere Krisen, denen wir uns wie ausgeliefert fühlen können. Doch gerade dann ist es wichtig, dass man zurückblicken kann auf die Erfahrung und das Erleben, dass man über Stärken und Kompetenzen verfügt, auf die man vertrauen kann.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Lean-, Soft Skills-Themen und die Iran-Veranstaltungen zuständig. In diesen Blogs informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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