Herausforderung Sektorkopplung: Wirklich eine Lösung für die Energiewende?

Lean Management

Die Energiewende ist auf einem guten Weg, möchte man meinen. In den letzten Jahren wurde viel investiert und schon jetzt decken erneuerbare Energien rund ein Drittel unseres Strombedarfs. Da könnte man doch von einer gelungenen Wende ausgehen, oder? Leider wird dabei oft ausgeblendet, dass es in solchen Erfolgsstatistiken lediglich um den Stromsektor geht. Denn nimmt man die Wärme- und Verkehrssektoren hinzu, ist der Anteil der erneuerbaren Energien über alle Sektoren hinweg deutlich geringer. Insgesamt muss es schon wegen des Klimawandels das Ziel sein, in den nächsten 20 bis 30 Jahren vollständig frei von fossilen Brennstoffen zu sein. Mit dem aktuellen Ausbautempo ist das allerdings ein utopisches Ziel. Die vollständige Energiewende käme bei den aktuellen Fortschritten über 100 Jahre zu spät!

Also Lösung sehen viele in diesem Zusammenhang die Sektorkopplung.

Heilsbringer Sektorkopplung?

Die Kernaussage zur Sektorkopplung: Da Wärme- und Verkehrsbereich bisher hauptsächlich basierend auf Öl und Gas funktionieren, kann eine Energiewende nur vonstattengehen, wenn wir diese Bereiche an den Stromsektor koppeln. Dafür stehen Technologien wie das Elektroauto zur Verfügung oder die Möglichkeit, mit den Power-to-X-Verfahren aus Strom beispielsweise Gas zu erzeugen. Die Chance wird darin gesehen, dass aus erneuerbaren Energien schon länger „zu viel“ Strom produziert wird. Das Stromnetz in Deutschland ist überlastet von der Menge an Energie, die von den Windparks im Norden nach Süden transportiert werden muss. Auch die nationalen Speichermöglichkeiten reichen nicht, um dieses Missverhältnis auszugleichen; für ein Szenario, in dem sich die Bundesrepublik zu 100 Prozent autark mit erneuerbaren Energien versorgen möchte, erst recht nicht.

Deshalb wird in der Möglichkeit, Strom in andere Bereiche zu bringen, von vielen der Weg zu einer gelungenen Energiewende gesehen. Die Möglichkeit, Energie in Form von Wärme oder Gas sowie als Treiber für Elektroautos zu nutzen, soll in diesen Bereichen die Nutzung fossiler Energieträger senken. Außerdem können die anderen Sektoren genutzt werden, um den Strom zu speichern. Sie stellen also eine Möglichkeit dar, das Speicherproblem zu lösen. Am Ende würde beispielsweise Wärme wieder in Strom umgewandelt, wenn es einen Bedarf gibt.

Allerdings birgt auch die Sektorkopplung so ihre Herausforderungen.

Energiewende

Logistik

Herausforderung: Massiv erhöhter Strombedarf

Mit der Sektorkopplung wird ein viel höherer Strombedarf auf uns zukommen. Alleine durch den Wärmebereich dürften das einige hundert Terawattstunden sein. So gehen manche Forscher von einer Verfünffachung des Strombedarfs auf bis zu 3000TWh aus, andere sprechen zumindest von einer Verdoppelung. Dieser Bedarf ist auch durch einen intensiven Zubau erneuerbarer Energien nur schwer zu decken. Berücksichtigen muss man dabei außerdem noch die saisonalen Schwankungen im Wärmebereich, der ja im Winter viel mehr beansprucht wird, als in der warmen Jahreszeit. Das heißt im Umkehrschluss, dass alle Sektoren in Zukunft effizienter werden müssen, was ja auch ausgewiesenes Ziel der Energiewende ist.

Herausforderung: Power-to-X ist (angeblich) teuer

Zumindest wird das behauptet. Schon wegen der EEG-Umlage, aber auch wegen der Netzentgelte sei Strom tendenziell zu teuer im Vergleich zu den Marktpreisen anderer Energieträger. Außerdem führe die Technologie durch ihre Funktionsweise zu enormen Energieverlusten, was das Problem mit dem ohnehin schon teuren Strom nochmals verstärke. So sagt zum Beispiel das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in der Süddeutschen, dass „sich Power-to-Gas-Projekte derzeit betriebswirtschaftlich noch nicht lohnen“. Das liege daran, dass die teuren Technologien sich bei dem andererseits mangelnden Bedarf daran nicht lohnen. Ob der behauptete „mangelnde Bedarf“ Realität ist, darüber lässt sich gewiss streiten, wenn man bedenkt, dass viele Windkraftanlagen regelmäßig zu viel Strom produzieren und dann vorübergehend heruntergefahren werden. Unabhängig von dem Argument wird von vielen nun gefordert, dass die Bundesregierung diesen Markt „anschieben“ soll, wie sie es bereits mit dem Wind- und Solarstrom getan hat.

Energiewirtschaft

Herausforderung: Wende im Verkehrssektor

Dasselbe Henne-Ei-Problem gibt es auch im Verkehrsbereich. Denn hier kommt die Verbreitung von Elektroautos bisher einfach nicht in Gang. Und das liegt an der mangelnden Infrastruktur für Elektromobilität. Man möchte schließlich ein Fahrzeug, dass man überall einfach aufladen kann und das mit einer „Tankfüllung“ möglichst weit fährt. Solange man als Konsument nur sporadisch Ladestationen sieht, die man noch nicht einmal alle nutzen kann, wird man sich den Kauf eines Elektroautos zweimal überlegen. Auf der anderen Seite kann nun aber dummerweise „der Staat“ sagen, dass die mangelnde Verbreitung der Fahrzeuge auf eine geringe Nachfrage schließen lässt, und damit begründen, einen Ausbau der Infrastruktur nicht zu fördern. Solange der Verkehrssektor aber noch größtenteils auf fossile Brennstoffe setzt, wird eine Kopplung an den Stromsektor schwierig.

Ist die Sektorkopplung die Lösung für die Zukunft?

Das erzählt uns Dr. Ingo Luge, Vorsitzender der Geschäftsführung bei E.ON Deutschland auf unserem Energy Leaders Forum am 21. und 22. Februar in Berlin. Verpassen Sie nicht diesen und weitere spannende Vorträge zum Thema Sektorkopplung, inklusive spannender Podiumsdiskussionen.

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Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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