[Gastbeitrag] Die Erfolgs-DNA der Silicon Valley-Disruptoren

Daniel Tyoschitz: Silicon Valley-Disruptoren

Google, Apple, Facebook, Uber, Airbnb, LinkedIn, Tesla und viele mehr kommen aus dem Tal, das etwa 70 km lang und 30 km breit ist – dem Silicon Valley. Es ist weitaus bekannt, dass das Valley ein einzigartiges Ökosystem für Visionäre bietet, um aus einem kleinen Startup zu einem weltweit führenden Unternehmen zu wachsen. Man spricht häufig von den „Disruptoren“, welche die gesamten Branchen verändern, indem sie mit einem überlegenen Produkt in den Markt gehen und ernstzunehmende Anteile der Konkurrenz für sich gewinnen.

Daniel Tyoschitz ist Strategy Coach, Keynote Speaker und Millennial-Thoughtleader bei 650 Labs, einem Corporate Accelerator aus dem Silicon Valley. In seiner Tätigkeit unterstützt er traditionelle Konzerne bei der digitalen Transformation und unterrichtet die Erfolgs-DNA der Disruptoren wie Google, Apple und Facebook. Seine berufliche Laufbahn begann mit verschiedenen Positionen im Finanzbereich sowie bei Startups.

Daniel Tyoschitz schloss sein betriebswirtschaftliches Studium 2014 in Mannheim ab und verbringt seitdem seine Zeit zur Hälfte im kalifornischen Mountain View sowie in Europa.

Falsches Verständnis der Erfolgsfaktoren

Die Konkurrenz, meist etablierte Konzerne, unterschätzen diese exponentiell wachsenden Technologie-Unternehmen zunächst gerne und merken anschließend, dass sie selbst innovativer und agiler werden müssen. Das Thema „Industrie 4.0“ wird als Priorität eingeführt, das IT-Budget wird erhöht, Innovations-Labs werden gegründet, ein Chief Digital Officer wird ernannt und viele weitere Initiativen werden umgesetzt, um dem immer schneller werdenden Wandel der eigenen Branche stand zu halten.

Beliebt sind unter anderem auch Reisen ins Silicon Valley, um dort die neusten Trends zu sehen. Mittlerweile kommen vermutlich 100 Unternehmen pro Woche aus der ganzen Welt ins Valley, da sie einen besseren Einblick in das Ökosystem erhalten möchten. Mehrere hundert internationale Konzerne haben bereits auch eine permanente Außenstelle im Silicon Valley und setzen von dort innovationsnahe Tätigkeiten um. Meist geht es um Innovations-Scouting, Entwicklung neuer Produkte, Partnerschaften, Research oder Startup-Investments.

Diese Initiativen sind wichtige Bestandteile der digitalen Transformation und sollen den anhaltenden Erfolg der Unternehmen sicherstellen. Doch was wir leider immer wieder feststellen, ist das falsche Verständnis der Digital-Welt und seiner Erfolgsfaktoren.

Mit COLTS auf dem Weg zum Erfolg

Schaut man sich die erfolgreichen Disruptoren unter der Oberfläche an, so sind verschiedene Eigenschaften zu erkennen, welche diese tendenziell gemeinsam haben. Diese Eigenschaften zählen zu den Bereichen Culture, Organization, Leadership Talent und Skills (COLTS) und lassen sich als deren Erfolgs-DNA bezeichnen. Valley-Unternehmen sind nicht nur so erfolgreich, da sie überlegene Technologien haben. Nein, den technologischen Vorsprung können wir aufholen – doch einen längerfristigen Wettbewerbsvorteil haben sie durch die fundamentalen Unterschiede im COLTS Bereich.

Wir glauben Konzerne müssen die Erfolgs-DNA der Disruptoren verstehen und auf das eigene Unternehmen anwenden, um im digitalen Zeitalter bestehen zu können.

Daniel Tyoschitz – Digital Transformation Coach bei 650 Labs im Silicon Valley

Dies ist an erster Stelle die Aufgabe des Leadership-Teams, das den Wandel initiieren und vorleben muss. Doch zunächst gilt es die COLTS-Charakteristika zu verstehen. Insgesamt haben wir 25 Best Practices identifiziert – im Folgenden drei Beispiele:

1

Platforms vs. Apps:

Die erfolgreichen Valley-Unternehmen bauen Business-Plattformen, die eine globale Reichweite haben, anstatt ein Produkt für eine bestimmte Zielgruppe in einem nationalen Markt zu entwerfen. Diese Plattformen profitieren von Netzwerk-Effekten (Facebook), bauen ein Partner-Ökosystem auf (Android App Store), bringen den Überfluss einer Ressource mit dem Mangel derselben Ressource zusammen (Geld/Kickstarter) oder verändern sogar das Nutzer-Verhalten (Airbnb: früher hätten wir vermutlich nicht bei Fremden übernachtet).

2

Experiment vs. Pilot:

Große Projekte werden in viele kleine Problemstellungen zerteilt und einzeln als Experiment getestet. Somit wird die Lerngeschwindigkeit des Projektes beschleunigt. Geschwindigkeit ist das Kredo. Ein traditionelles Unternehmen würde hingegen vermutlich zunächst eine ganzheitliche Analyse durchführen, um Risiken zu minimieren, dann ein Projektteam aufstellen und Monate später irgendwann in die Pilot-Phase gehen.

3

Disruptive Hypothesis:

In den letzten Jahrzenten hat sich die Welt immer weiter gedreht und die Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen haben sich verändert. Doch haben sich die Unternehmen verändert und an die Rahmenbedingungen der heutigen Zeit angepasst? Häufig hört man „Wir haben es schon immer so gemacht“ und die Veränderung wird dadurch ausgebremst. Disruptoren hinterfragen alle Annahmen einer Branche und verändern traditionelle Grundannahmen. Beispiel:
Wenn man ein Auto mieten möchte, macht man dies am Ort des Autoverleihers, füllt jede Menge Unterlagen aus, bezahlt pro Tag, bekommt den Schlüssel und muss das Auto am Ende der Mietzeit wieder zurück an einen Ort des Verleihers bringen. ZipCar oder andere Carsharing-Innovatoren haben die zugrunde liegenden Annahmen verändert. Nun kann man sein Auto zum Beispiel an vielen Orten abholen, bezahlt pro Stunde/Minute, füllt nicht jedes Mal wieder Seiten an Formularen aus, et cetera.

Genauigkeit, Planbarkeit und Stabilität verhindern Innovation und Kreativität

In Deutschland haben wir unglaublich viele intelligente und kreative Menschen, doch leider halten wir weitestgehend an unseren traditionellen Denkmustern und Unternehmens-Strukturen fest und verhindern somit deren Potential-Entfaltung. Die deutsche Präzisionskultur hat uns im industriellen Zeitalter zu einer der weltweit führenden Industrienationen gemacht. Doch die damit verbundene Genauigkeit, Planbarkeit und Stabilität unserer Prozesse sind genau das Gegenteil von Innovation, Kreativität und Agilität.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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