„Bloß nicht erwischen lassen!“ Fehlerkultur und Führungskräfteentwicklung. Im Gespräch mit Ulf D. Posé

Ulf D. Posé: Ergebnisverantwortung Und Fehlerkultur

Managementtrainer Ulf D. Posé spricht mit uns im Interview über die häufigsten Probleme mit der Fehlerkultur in Unternehmen. Welche Veränderungen bringen Digitalisierung und Generation Z mit sich? Und was kann die Personalentwicklung tun?

Ulf D. Posé ist Managementtrainer, Buchautor und Präsident der Akademie des Senats der Wirtschaft e.V. Er ist ausgebildeter Personalentwickler und wurde im Jahr 2000 vom BDVT (Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches) für exzellente Trainingsleistungen ausgezeichnet.

Er schreibt regelmäßig zum Thema Führungsdialektik, Unternehmensführung und Vertrieb für bekannte deutsche Wirtschaftszeitungen und Zeitschriften und hat als Managementcoach über 30 Jahre Erfahrungen in der Arbeit mit namhaften Konzernen.

Ulf D. Posé hält Vorlesungen an deutschen und internationalen Hochschulen und wirbt auch in den Medien für die Verträglichkeit von wirtschaftlichem Handeln und menschlichem Miteinander. Sein Motto: „Ich will Menschen helfen, größer zu werden.“

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Teams derzeit schlechtere Entscheidungen fällen, als einzelne Experten.

Herr Posé, Sie leiten das Management Circle Seminar „Ergebnisverantwortung und Fehlerkultur im Unternehmen„. Was kann man denn bei der Fehlerkultur überhaupt falsch machen und welche Konsequenzen hat das für ein Unternehmen?

Der Hauptfehler ist die intensive Beschäftigung mit der Schuldzuweisung. Je intensiver jemand ‚verhaftet‘ wird, desto stärker ist die Vermeidungs- und Vertuschungsstrategie nach dem Motto: „Bloß nicht erwischen lassen!“ Damit erhöht sich der Aufwand für ein Unternehmen, Fehler überhaupt entdecken zu können. Würde sich das Lösungsbewusstsein gegen das Problembewusstsein durchsetzen, dann wären Unternehmen weniger interessiert, Schuldige zu verhaften, sondern mehr daran interessiert, gute Lösungen zu finden.  Die entscheidende Frage für ein gutes Klima der Fehlerkultur lautet: „Kann mein Mitarbeiter jederzeit völlig ohne Angst zu mir kommen und über seine Fehler sprechen?“ Und: „Tut er das auch?“ Das ist nur in einem Vertrauensklima möglich. Das bedeutet auch, Verantwortung für einen Fehler übernehmen zu wollen. Hier spielen zwei Verantwortungsrichtungen eine entscheidende Rolle. Es gibt die Verantwortung vor der Tat, also, habe ich vor der Tat über die möglichen Konsequenzen meines Tuns überhaupt nachgedacht. Zweitens geht es um die Verantwortung nach der Tat, also, bin ich bereit, für die überschaubaren Konsequenzen meines Tuns gerade zu stehen. Wenn das klar ist, mache ich mir über eine gute Fehlerkultur keine Sorgen.

Konfliktsituation

Inwiefern spielen bei dem Thema auch die Digitalisierung sowie die neuen Mitarbeiter-Generationen Y und Z eine Rolle? Die bringen ja ziemlich neue Vorstellungen von Arbeit in die Unternehmen mit.

Nicht nur für die Generation Y hat sich einiges verändert. Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass immer mehr miteinander geschrieben wird, per E-Mail,  WhatsApp, Facebook etc. Auf der Strecke bleibt das persönliche Gespräch. Das führt durchaus zu Missverständnissen durch die Interpretation des Geschriebenen. Das ist eine Veränderung, die alle Menschen betrifft. Gleichzeitig ist die Genrationen Y und Z sehr daran interessiert, an attraktiven Projekten mitzuarbeiten. Sie sind weniger bleibebereit als Ältere. Es geht der jungen Generation um Verantwortung für eine interessante Aufgabe. Hat das Unternehmen dies nicht zu bieten, ist sie weg. Gleichzeitig ist mit der Generation Y und Z eine Art Teamdogma entstanden. Alles muss im Team gelöst werden. Man setzt auf die Schwarmintelligenz und landet dann doch oft genug beim Herdentrieb. Hier gilt es zu lernen, wann ein Team Verantwortung übernehmen sollte, wann der Einzelne. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Teams derzeit schlechtere Entscheidungen fällen, als einzelne Experten, und, dass Teams durchaus bereit sind, Regeln (auch rechtliche Regeln!) zu brechen, da sich niemand verantwortlich fühlt.  Die schnelle Einigung steht im Mittelpunkt. Das verschlechtert die Qualität der Entscheidung. Genau hier sollte ein Lernprozess ansetzen, der Teams hilft, auch gute Teamarbeit abliefern zu können.

Alles muss im Team gelöst werden. Man setzt auf die Schwarmintelligenz und landet dann doch oft genug beim Herdentrieb.

Was können Führungskräfte tun, um an einer positiven Fehlerkultur mitzuwirken bzw. diese aktiv zu fördern?

Die Suche nach einer vernünftigen Lösung sollte im Mittelpunkt stehen. Führungskräfte können dabei durchaus die Sache kritisieren; aber nicht die Person. Auf Vorwürfe sollte verzichtet werden. Ein Chef, der gemeinsam mit dem Mitarbeiter eine vernünftige Lösung für einen Fehler, ein Problem sucht, wird erleben, dass Mitarbeiter vor diesem Hintergrund sehr gern Verantwortung übernehmen. Das Wort Verantwortung sagt es schon, es geht darum, eine Antwort geben zu können.

Zuletzt: Als Führungsexperte – welche Tipps können Sie Personalern zum Thema Führungskräfteentwicklung für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Es geht um die Frage, was geschehen muss, damit aus Führungskräften Führungspersönlichkeiten werden.  Im Kern ist für die Personalentwicklung wichtig, wie es gelingt, zwei Ziele der Führung unter einen Hut zu bringen. Das erste Ziel ist der wirtschaftliche Erfolg mit einem Minimum an Aufwand. Das betrifft neben der fachlichen Qualifikation die Fähigkeit, methodisch sauber gute Entscheidungen zu treffen, die dann auch mit einem Minimum an Aufwand realisiert werden. Es gibt einige sehr gute Entscheidungstechniken aus der Antike, die immer noch Bestand haben. Dialektisches Denken gepaart mit der Entscheidungsfindung der ars construenda vexilla, einer altrömischen Technik, können sehr dabei helfen. Das zweite Ziel ist, ein menschliches Miteinander zu generieren, in dem Mitarbeiter vertrauensvoll miteinander umgehen.  Hier ist die Vorbildfunktion gefragt. Inwieweit ist es der Führungskraft möglich, ein Vertrauensklima zu erzeugen nicht nur Anerkennung der Funktion, sondern durch Wertschätzung und Anerkennung der Person.

Vielen Dank für das Gespräch!

Seminar mit Ulf D. Posé: Ergebnisverantwortung und Fehlerkultur im Unternehmen

In dem Seminar erfahren Sie alles, was Sie über eine lösungsorientierte Fehlerkultur wissen müssen. Wie sollte delegiert und geführt werden, wie werden Fehler angesprochen und wie können Sie diese zu Ihrem Vorteil ausnutzen?

Informieren Sie sich auf unserer Website zu allen Highlights des Seminars.

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Bild: Jr Casas | de.fotolia.com

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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