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Digitalisierung in Deutschland ist wie Lippenstift auf einem Schwein

Lippenstift Auf Einem Schwein

Auch wenn es sich langsam verbessert, Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern noch eine digitale Wüste, meint Dr. Mario Herger. Es reicht nicht, über digitale Transformation zu reden, man muss sie leben! Denn ansonsten ist Digitalisierung lediglich wie Lippenstift auf einem Schwein – schöner als vorher, aber immer noch eine Sau. Lesen Sie in diesem Beitrag, was der Experte damit meint.

Dr. Mario Herger lebt seit 2001 im Silicon Valley, forscht nach Technologietrends, verfasst Bücher und berät Unternehmen zu Themen wie Innovation, Intrapreneurship, Kreativität, Silicon Valley Mindset und Gamification. Der ehemals langjährige Entwicklungsleiter und Innovationsstratege bei SAP leitet heute ein Beratungsunternehmen und zeigt, wie der Spirit aus dem Silicon Valley auf Organisationen übertragen werden kann. Als Mentor im German Accelerator und bei Bootstrap Labs betreut Dr. Herger Startups und hält Workshops.

„Putting lipstick on a pig!“

Das heiße Thema „digitale Transformation“ beschäftigt die Führungsebenen deutscher Unternehmen. Wie man dieses Biest zähmen kann, davon handeln Konferenzen, dazu werden buchweise Anleitungen verfasst und dafür sacken Berater hohe Honorare ab.

Die Ergebnisse erfüllen die Erwartung kaum. Eine digitale App, mit der ich mein Auto vom Handy aus aufmachen kann? Ein gelbes Taxi, das ich nun per Handy-App auch bestellen kann? Ein Koffer, der eine Ladestation für mein Handy eingebaut hat?

Die Amerikaner haben dafür einen humoristischen Ausdruck: „Putting lipstick on a pig!“ Ein Schwein, auf das man Lippenstift aufträgt. Es ist zwar nun sicherlich ein hübscheres Schwein als vorher, aber im Kern ist es immer noch eine Sau.

Motivation statt SAU-Krankheit

Digitale Transformation erreicht keinen Endzustand

Eine App, die meinen Mercedes nun per Handy öffnen lässt, ist nichts anderes als Lippenstift, den man darum geschmiert hat. Was missverstanden wird, ist, dass digitale Transformation einerseits kein abgeschlossener Prozess ist, der einen Endzustand erreichen wird, sondern ein kontinuierlicher Prozess ist und bleibt. Digitalisierung muss Teil der Unternehmens-DNA werden, und digital ist auf gar keinen Fall ein abzuhakender Bestandteil auf einer Checkliste.

Andererseits bedeutet Digitalisierung eine komplette Hinterfragung der eigenen Produkte, Dienstleistungen und Prozesse. Digital stellt den Ausgangspunkt dar, basierend auf der Frage, wie man den Kunden und Mitarbeitern helfen kann. Tesla, Uber oder Airbnb begannen ihre Produkte vom digitalen Kern ausgehend. Sie würden ohne die digitale Komponente gar keinen Sinn ergeben und möglich sein. Und gerade wegen dieser Herangehensweise sind sie so überzeugend gut.

Leben Sie Digitalisierung!

Moderne FührungSich nur Lippenstift aufzumalen, macht jemanden nicht schöner oder besser. Es muss gelebt werden. Viel zu viele Manager und Mitarbeiter verweigern sich privat und beruflich dem digitalen Leben. Wer sich weigert, Uber zu verwenden, Pokémon Go zu spielen, Amazon Echo anzuschaffen, smarte Leuchten zu installieren, verweigert sich und dem eigenen Unternehmen die Zukunft.

Nur zu oft treffe ich auf Unternehmen, die unbedingt die digitale Transformation verstehen wollen, und dann weder privat noch für die Abteilung ein einziges smartes Produkt der Konkurrenz angeschafft und analysiert haben. Reiseabteilungen, die eine Rechnung von Airbnb nicht anerkennen und Rechnungen von Uber verweigern. IT-Teams, die auf Anweisung von oben Skype, Dropbox, oder Messenger-Apps als Kommunikationsmittel verbieten. Banker, die alle groß über Bitcoin und Blockchain reden, aber nicht mal eine simple Online-Wallet angelegt haben.

 

Digitale Transformation ist im Silicon Valley unbekannt

Aber alle gehen fleißig auf Konferenz und haben Meinungen. Aus zweiter und dritter Hand. Alle fahren ins Silicon Valley und werden inspiriert, aber zu Hause fallen sie rasch wieder in den Modus der Ambitionslosigkeit zurück. Interessanterweise kennen die Menschen im Silicon Valley den Begriff „digitale Transformation“ gar nicht. Bis auf diejenigen, die mit Deutschen zu tun haben, und immer wieder diese Frage gestellt kriegen.

Auch wenn es sich langsam verbessert, Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern eine digitale Wüste. Kein WLAN in Cafés, Bahnhöfen, Zügen. Geringe Rate an Smartphone-Durchdringung. Datenschutzparanoia. Rechtliche Bestimmungen, die Startups und Digitales knebeln. Digitale Unternehmen wie Uber, Google und Facebook, die rechtlich niedergekeult werden. Gleichzeitig wird eine digitale Agenda angekündigt und man versucht sich auf die Brust zu klopfen. Aber dieses Gehabe ist nichts mehr als der Lippenstift auf dem Schwein.

Digital ist ein Mindset, das man vorleben und leben muss. Und nicht nur darüber reden und der Sau aufmalen.

Die Zeichen stehen auf Sturm

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Warum verweigere ich mich der Zukunft, wenn ich mich weigerer Pokémon Go zu spielen; ein unsinniges Spiel mit einem Handy durch die Gegen zu laufen? Wieso brauch ich Amazon Echo um an die Zukunft zu denken? ich möchte mich mich Menschen unterhalten und nicht mit einer Dose auf dem Schrank! Was brauche ich smarte Lampen die ich auch mit einem Dimmer am Schalter einstellen kann. Brauche ich eine App, um meinen Mercedes (kann es auch ein anderer sein?) afzumachen? Ein schlichter Schlüssel bringt die gleich eLösung.
    Und ein farblich passender Lippenstift kann einen Teil dazu betragen ein Frau atraktiver zu machen.
    Vieles was uns von irgendwelchen Seiten eingerdete wird, dass es absolut notwendig, braucht die Menschheit nicht. Hier gibt es andere Probleme die zu lösen wären – aber diese sind nicht in Sicht.

    1. Vielen vielen Dank, Norbert Strompen, für den Kommentar. Ich hätte mir keinen besseren als den wünschen können, um die Aussagen bestätigt zu kriegen. Starke Meinungen, ohne informiert zu sein. Fehlende Neugier und fehlendes Interesse. Und es dann auch noch geschafft, einen sexistischen Kommentar reinzubringen.
      Wow! ich hoffe nur, Du bist kein Manager oder hast sonstige Personalverantwortung, denn mit einer solchen Einstellung haben Deine Mitarbeiter es aufgegeben, Dir neue Ideen vorzubringen.

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