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Digitalisierung in der Lebensversicherung – Warten auf Godot? [Teil 2]

Frank-Genheimer

Im ersten Teil seines Gastbeitrages hat Frank Genheimer die aktuelle Situation der Versicherungsbranche und vor allem der Lebensversicherung genauer beleuchtet. Erfahren Sie nun im zweiten und letzten Teil seines Beitrages, mit welchen Aktivitäten die Branchenteilnehmer aktuell unterwegs sind und mit welchen Ansätzen und Zielbildern ein Unternehmen die aktuelle Revolution erfolgreich meistern kann.

Frank Genheimer ist Partner bei New Insurance Business, einer Gesellschaft für die strategische und taktische Beratung von Versicherungsunternehmen und deren Kooperationspartnern.

Mit Stationen in der Produktentwicklung, dem Produktmanagement und dem Aktuariat in Deutschland sowie im europäischen Ausland hat er sich zum hybriden Aktuar und einem Schweizer Taschenmesser der Lebensversicherung entwickelt. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Themen „Innovationen & Digitalisierung” sowie „Neugeschäftsstrategie”, „Produkte” und „Kooperations­management”.

Die Aktivitäten der Platzhirsche

Die Aktivitäten der etablierten Branchenvertreter haben eine große Spannbreite: Von „nix tun und abwarten“ bis „zahlreiche parallele Aktivitäten“ ist alles vertreten. Als fast schon klassische Maßnahmen sind InsurTech-Safaris, das Gründen eines Innovation-Labs oder das Rekrutieren eines CDOs zu nennen. Allerdings macht eine Schwalbe bekanntlich noch keinen Sommer und zweifelsfrei sind diese Maßnahmen für sich genommen auch nicht hinreichend.

Ein wichtiger Aktivitätsblock sind mittlerweile bereits die Kooperation und der Aufbau von Startups. Wichtig ist hier die direkte Verbindung zum Geschäftsmodell des Versicherers. Das Startup sollte das bestehende Geschäftsmodell entweder erweitern oder entscheidend verbessern.

Seit Monaten kursieren auch große Summen in der Presse, die Versicherungsunternehmen in den kommenden Jahren in Startups investieren wollen. Dies hat aber oft den Charakter einer renditeorientierten Investition – im Niedrigzinsumfeld durchaus eine valide Option.

Die großen und vornehmlich internationalen Player fokussieren bereits mehrere der genannten Aktivitäten, das heißt sie legen nicht alle Eier in einen Korb und setzen nicht alles auf eine einzelne Karte. Und sie tun gut daran.

 

Es gibt keinen Mangel an Ideen oder Möglichkeiten, sondern einen Mangel am „Tun“

Die Welt der Möglichkeiten ist wirklich riesig. Hier nur ein paar Ansätze:

1

Es muss nicht mehr Papier sein!

Online-Plattformen und -Portale machen es vor: Alles funktioniert ohne Papier. Banken bieten einen bequemen und papierlosen Zugang zu Spar- und Girokonten und dem Portfolio an Finanzprodukten. Wieso also sollte zum Beispiel bei einer Sparversicherung der Kunde sein aktuelles Guthaben nicht online abfragen können?

2

Neue Wege im Underwriting!

Normalerweise wird der Gesundheitszustand eines (neuen) Kunden während des Angebotsprozesses als Teil des Underwriting überprüft. Ein gesunder Lebensstil des Kunden danach wird nicht belohnt. Dank Fitness- und Gesundheits-Tracker wird sich dies ändern. Der Kunde kann damit eine noch aktivere Rolle beim Monitoring und Aufrechterhalten seiner Gesundheit einnehmen und wird dafür belohnt, zum Beispiel durch reduzierte Versicherungsprämien oder andere Leistungen.

3

Schnellere Produktentwicklung!

Das digitale Umfeld einer Versicherung erfordert eine immer schnellere Markteinführung. Auf Seiten der Versicherer erlauben dies jedoch die internen Prozesse und die vorherrschende IT-Landschaft zuweilen oft noch nicht. Auch die Suche nach Alternativen zur traditionellen Lebensversicherung scheitert nicht selten am veralteten Verwaltungssystem. Ein Upgrade des Systems wird nicht nur viel Geld kosten, sondern auch einige Zeit in Anspruch nehmen. Mit Hilfe des passenden InsurTechs kann ein neues Produkt minimal invasiv für die bestehenden Systeme eingeführt werden und das auch noch deutlich schneller als bisher. Eine solche Kooperation ermöglicht zudem eine noch nie dagewesene Flexibilisierung der Produktentwicklung. Die Produktentwicklung wird so interaktiver und kundenorientierter als jemals zuvor.

4

Eine Lösung für den Kunden!

Viele Startups machen es vor: Ausgangspunkt ist der Kundenwunsch und die Frage, was sinnvoll für den Kunden ist. Dem Durchschnittskunden in der Finanzindustrie fehlt es typischerweise an zwei wichtigen Dingen: Fundiertes Wissen über Finanz- und Versicherungsprodukte und eine einfache (Echtzeit-) Übersicht über seine ganzen Vermögenswerte. Wie kann ein Kunde eine Finanzstrategie entwickeln, ohne über seine aktuelle Situation Bescheid zu wissen? Wie kann er eine Strategie umsetzen, ohne zu wissen, welche Produkte eigentlich verfügbar sind und wie diese Produkte genau funktionieren? Mit einem „Finanzcockpit“ wäre er in der Lage, seine persönlichen Finanzen einfach zu verwalten – entweder alleine oder mit Hilfe eines Beraters.

5

Der Berater soll beraten!

Der Einsatz von Technologie hilft dem Berater, sich auf die Essenz zu fokussieren: Das Beraten. Lästige manuelle Prozesse, aufwändige Administration, die Suche nach Informationen zu Produkten oder über den Kunden und dergleichen Arbeiten kosten einfach zu viel Zeit und machen zudem auch keinen Spaß. Kunden zu beraten dagegen schon, und das ist auch die eigentliche Passion und Aufgabe des Beraters.

digitale zukunft

Lang lebe die Kooperation

Das Lebensversicherungsgeschäft befindet sich in einer Transformation und dieser Wandel ist keine gewöhnliche Evolution. Es wird eine grundlegende Veränderung, mindestens eine Revolution sein.

Es ist an der Zeit, dass die Lebensversicherer das bestehende Geschäftsmodell und die Art und Weise, wie sie heute tätig sind, grundlegend überarbeiten. Wichtige Elemente einer neuen Geschäftsstrategie sind die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells und die Zusammenarbeit mit Startups.

Das richtige Ausnutzen der Möglichkeiten der heutigen Technologie wird einem Lebensversicherer zum Durchbruch in der scheinbar hoffnungslosen Welt aus Regulierung, niedrigen Zinsen und dem stagnierenden Neugeschäft verhelfen. Letztlich ist die Technologie in der Lage eine „Win-Win-Win“-Situation zu schaffen, weil auch der Vertrieb und der Kunde davon profitieren werden. Die Kunden werden schneller, flexibler und transparenter bedient als je zuvor – oder kurz und knapp gesagt: Einfach besser als heute!

Es ist schwer zu glauben, dass eine ganze Versicherungsbranche oder die dahinterstehende Idee verschwinden wird, aber einige Unternehmen und die derzeitige Praxis werden es. Die Revolution hat bereits begonnen. Technologie wird das Lebensversicherungsgeschäft mehr verändern, als Regulierung es jemals tun kann – und diesmal wird Godot kommen.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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