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Digitalisierung im Finanzsektor: Sind Banken ein Auslaufmodell?

Old Car, Car, Reparatur

Banken haben es derzeit nicht leicht. Die Niedrigzinsphase wird länger und länger, gleichzeitig werden dem Geschäft durch immer stärkere Regulierung Grenzen gesetzt. Und nicht zuletzt greift die Digitalisierung im Finanzsektor um sich. Sie eröffnet den Weg für neue Geschäftsmodelle und Konkurrenten, zwingt zudem Banken sich zu modernisieren. Wird damit das alte „Modell Bank“ zu einem Auslaufmodell? Oder können Banken den Sprung in die Digitalisierung schaffen?

Sind die Banken durch die Digitalisierung bedroht?

Noch im April veröffentlichte die Unternehmensberatung McKinsey eine Studie, in der sie feststellte, dass drei Viertel aller deutschen Banken in die Verlustzone rutschen, wenn sie keine Maßnahmen einleiten, um Regulierung, Niedrigzins und Digitalisierung entgegen zu wirken. Denn diese Trends erzeugten Handlungsdruck, dem nicht durch „klassische“ Maßnahmen wie Filialschließungen und Kostenprogramme begegnet werden könne. Strukturelle Anpassungen seien nötig, eine Anpassung des Vertriebs auf das digitale Zeitalter und eine Schärfung der Produkte und Geschäftsmodelle. Gerade für Deutschland gilt, dass es in vielen Bereichen bei der Digitalisierung noch Nachholbedarf gibt. Das hat oft mit Bedenken bezüglich dem Datenschutz, der Datensicherheit oder einer generellen Skepsis gegenüber neuen Technologien zu tun. Von einer „German Angst“ wird im Ausland häufig gesprochen.

Und wie ist die Lage im Bankensektor?

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Gerade das Retail Banking ist bedroht

Der Druck zur Digitalisierung im Finanzsektor wird besonders im Kundengeschäft spürbar. Denn hier sind Banken direkt konfrontiert mit dem disruptivsten Trend der digitalen Welt überhaupt: Dem neuen Kundenverhalten!

Als Konsument hat man es heute immer einfacher. Überall kann man sich über Produkte informieren, Preise und Anbieter vergleichen, per Mausklick oder Touch-Geste in Sekunden einkaufen. Natürlich nicht, ohne im Nachgang noch Informationen zu Produkten zu erhalten, die einen auch interessieren könnten. Sie kennen das. Viele Menschen sind sogar heute so verwöhnt, dass es schon zur Hürde wird, wenn man beispielsweise bei einer Pizzeria überhaupt anrufen(!) muss, um zu bestellen.

Im Retail Banking sind die Auswirkungen dramatisch: Denn immer weniger Kunden suchen ihre Filialen auf, nutzen Mobile Apps und Online Banking. Gleichzeitig drängen dabei neue Unternehmen in den Markt, darunter agile FinTechs und große Technologiekonzerne wie Google. Und die nehmen den Banken immer mehr „Sahnestücke“ ihres Kerngeschäfts weg, erzeugen Kostendruck auf die Filialen und zwingen Banken, Ihre Kommunikation, Produkte, ihre internen Abläufe und ihre Geschäftsmodelle umzukrempeln.

Neben all den neuen Geschäftsmodellen winken zudem Innovationen wie die Blockchain oder die Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz. Deren Auswirkungen sind derzeit erst in den Anfängen beobachtbar.

Aber auch im Corporate Banking muss aufgepasst werden

So drastisch wie im Retail Banking ist hier die Situation zwar noch nicht. Aber das kann sich sehr schnell ändern, wie uns mittlerweile unzählige Beispiele lehren. Denn Disruption geht schnell und neue Geschäftsmodelle verbreiten sich in der Digitalisierung wie ein Lauffeuer. Da immer mehr Unternehmen verstärkt im Sinne des papierlosen Büros auch Controlling, Finanz- und Rechnungswesen digitalisieren, bestehen gerade beim Zahlungsverkehr zwischen Firmen neue Angriffspunkte für Quereinsteiger. Aber auch für Bereiche wie Kreditgeschäft und Liquiditätsbeschaffung drängen bereits jetzt immer mehr neue Anbieter auf den Markt.

Immer mehr FinTechs eröffnen Unternehmen die Möglichkeit, ihre gesamte Financial Supply Chain zu optimieren. Anbieter wie Taulia bieten dafür Cloud-basierte Lösungen, die sich mittlerweile großer Beliebtheit erfreuen.

Crowdinvesting über Plattformen wie Seedmatch, Funding Circle oder Companisto können sich Unternehmen, Gründer und Startups ohne besondere Anforderungen finanzieren. Alleine die Liste der Crowdinvesting-Plattformen in Deutschland ist schon immens lang!

Und auch im Kreditgeschäft etablieren sich FinTechs immer mehr als Teil der Branche. Denn gerade kleine Firmenkunden haben es dort einfacher, an Kredite zu kommen, als bei Banken.

Insgesamt ist es nur eine Frage der Zeit und der Erziehung. Denn Kunden, die auch privat bevorzugt digitale Angebote nutzen, werden dies geschäftlich ebenfalls bevorzugen. Aus einer neuen Studie von Bearing-Point geht hervor, dass 70 Prozent der Unternehmen digitale Zugänge zu Bankdienstleistungen bevorzugen und auch nutzen. Außerdem spielt den Banken derzeit noch in die Hände, dass gerade das Gros des Mittelstandes die meisten FinTech-Unternehmen noch gar nicht entdeckt hat.

Bild: Diverse Endgeräte zeigen Online-Angebot im Responsive Design

Vielen Banken fehlt ganzheitliche Digitalisierungsstrategie

In dem Zusammenhang wird es für Banken allerdings nicht ausreichen, einfach Apps und Online-Angebote zu designen und diese dem Dienstleistungsportfolio hinzuzufügen. Denn das können FinTechs viel besser. Viele Banken haben das schon erkannt und arbeiten deshalb mit welchen zusammen oder Gründen sogar selbst welche aus. Aber statt „nur“ neuer Produkte bedarf es vielmehr einer ganzheitliche Digitalisierungsstrategie, die alle Bedürfnisse moderner Kunden adressiert (Stichwort: Omnichannel) und die digitalen Dienstleistungen und Produkte mit den internen Prozessen einer Bank integriert. Das gesamte Unternehmen muss die digitale Transformation mitgehen. Denn Kunden haben an „ihre“ Dienstleistungen auch ganzheitliche Ansprüche und interessieren sich nicht für etwaige Schwierigkeiten, die ein Unternehmen bei der Transformation intern haben mag. Und die Zeit hat bereits an Beispielen gezeigt: Nur wer innovativ bleibt und sich auf digitale Transformation einlässt, wird am Ende nicht zu einem Auslaufmodell.

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Bilder: Julien Eichinger | de.fotolia.com, Jonathan Waller (CC BY 2.0)

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Banken, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

    1. Hallo Stefan, guter Punkt.

      Also ich würde das so sehen: Beim Crowdfunding, das ja beispielsweise oft für Kulturgüter wie Musik, journalistische Angebote oder Videospiele eingesetzt wird, steuern Menschen Mittel bei, um ein Projekt realisierbar zu machen. Wenn das Projekt realisiert wird, ist die Gegenleistung dann meistens eine Ideelle oder Symbolische. (Beispiele: Wenn Sie beispielsweise an Amnesty International spenden, bekommen Sie regelmäßig deren Magazin. Wenn Sie sich an einem Kickstarter beteiligen, bekommen Sie je nach gespendetem Beitrag ein Dankeschön.) Beim Crowdinvesting hingegen geht es zum Beispiel um die Investition in ein Startup, wodurch auch Anteile an selbigem erworben werden.

      Das wäre allerdings jetzt meine Definition und ich bin mir gar nicht sicher, ob die meisten Menschen, die diese Begriffe nutzen, da einen semantischen Unterschied machen.

      Besten Gruß!

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