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Warum Banken im Zeitalter der Digitalisierung jetzt auf Fairness setzen müssen – Teil 2

Brink Teil 2

In Teil 1 des Interviews hat Herr Prof. Brink bereits über die Geschichte der Ethik als älteste Wissenschaft und die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bankenindustrie gesprochen. Im 2. Teil dieses Interviews wird über die Neupositionierung der Banken mit Fokus auf das Kerngeschäft und den Kunden sowie eine mögliche Umsetzung diskutiert.

Prof. Dr. Dr. Alexander Brink ist Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität Bayreuth und Gründungspartner bei der Unternehmensberatung concern. Er ist zudem wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Wirtschaftsethik in Berlin. Als Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher und Zeitschriften führte er diverse Praxisprojekte mit namhaften Unternehmen durch. Bei concern verantwortet er die Weiterentwicklung und wissenschaftliche Fundierung innovativer CR-Konzepte. Alexander Brink ist mit Mit-Begründer der Initiative „Faire Beratung“ für Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken: faireberatung.com.

Concern ist eine Beratungsgesellschaft mit Sitz in Köln. Als Spin-off des renommierten „Philosophy & Economics“-Programms der Universität Bayreuth wurde concern 2010 als eine der ersten Beratungsgesellschaften in den Bereichen Corporate Governance, Responsibility und Sustainability in Deutschland gegründet.

Banken und Fairness

Warum geht es bei den Banken um Fairness? Was bedeutet Fairness?

Im Gegensatz zur Chemischen Industrie blicken Banker auf eine lange Tradition des ehrbaren Kaufmanns zurück. Der Ehrbare Kaufmann verbindet ethische Werte mit kaufmännischen Zielen. Was in der Antike und im Mittelalter die Tugenden waren, sind heute in der modernen Welt zentrale Werte wie Transparenz, Individualität und Verständlichkeit. Diese drei Werte bilden den Kern von Fairness. Sie manifestieren sich in der Kunde-Berater-Beziehung. Nur wer Informationen transparent macht, sich am Bedarf des Kunden orientiert und seine Produkte und Dienstleistungen verständlich vermittelt, hat Erfolg.

Grundlegend ist die Reziprozität: Berater und Kunde begegnen sich wertschätzend auf Augenhöhe.

Hier wird Vertrauen aufgebaut und verstetigt. Kreditinstitute müssen daher den Diskurs über Werte, Tugenden und Integrität führen: intern und extern. Es geht wieder um das Kerngeschäft und den Nutzen für den Kunden. Banken müssen hier eine klare Wertepositionierung einnehmen. Fairness ist der Schlüssel zum Erfolg. Durch eine konsequente Wertepositionierung als faire Bank steigen Abschluss-, Zahlungs- und Empfehlungsbereitschaft der Kunden. Alles muss daher auf den Prüfstand: Vergütungsmodelle, Beratungsinstrumente und Beratungsdokumentation, Leistungen, Führung. Es geht um eine ganzheitliche Betrachtungsweise: eine neue Kunst der Hausverwaltung.

Schaffen die Banken ihr Kerngeschäft und den Nutzen für den Kunden neu zu positionieren?

Sparkassen und Genossenschaftsbanken können in diesem Spiel eine herausragende Rolle übernehmen. Die DNA der Regionalinstitute ist exzellent auf das Momentum vorbereitet. Sie haben einen gesunden Wertekern. Viele Häuser sehen sich daher gestärkt in dem, was sie seit vielen Jahren praktizieren und fühlen sich im Übrigen zu Unrecht von dem Vertrauensverlust der Branche getroffen.

ImSoft Skills Führung Gegenteil: Der Trend hin zu Werten, Ethik, Nachhaltigkeit und Fairness spricht ihnen aus der Seele. Es heißt im Leitbild der GLS Bank, dass es um „Kommunikation über die gesellschaftliche Relevanz unserer Finanzierungen“ gehe. Im Vergleich dazu spricht die Münchener Bank von einer eigenen „Wertewelt“.

Im Prinzip sind also vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken auf diese Fairness-Welt vorbereitet; sie müssen diese Werte nur wieder konsequent in ihr Kerngeschäft und die Kunden-Berater-Beziehung integrieren. Mit dem S-Finanzkonzept und der genossenschaftlichen Beratung legen die Institute konzeptionell vor.

Vorgehen in dem Digitalisierungsprozess

Wie können die Banken in der Prozessumgestaltung unterstützt werden? Müssen Berater her?

Das würde ich nicht uneingeschränkt empfehlen. Die klassische Unternehmensberatung in Form von consulting hilft Unternehmen nur hinsichtlich der technischen und ökonomischen Optimierung. Sie optimiert Ökonomie in der Regel gegen Ethik. Darin lag und liegt die Kernkompetenz großer Strategieberatungen.

Heute benötigt man darüber hinaus eine Form der Unternehmensberatung, die sich eher an dem antiken Verständnis von Beratung orientiert.

Hier spricht man eher von counseling, also eine Beratschlagung wie sie durch einen Freund, einen Arzt oder einen Mentor erfolgt. Auch die Beratungsmethoden verändern sich – Tabellenkalkulationen werden durch agile Methoden abgelöst. Gemeinsam mit den Beratern werden ethisch relevante Situationen identifiziert, beschrieben und bewertet. So können Strategien, Programme und Kennzahlen, aber auch eine kritische Urteilskraft entwickelt werden, die den Banken hilft, wieder auf die Erfolgsspur zu kommen.

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Allerdings überschätzen Menschen ihre eigene moralische Urteilsfähigkeit und ihren Grad an Fairness. Selbst- und Fremdwahrnehmung gehen da nicht immer zusammen. Deshalb brauchen wir mehr empirische Evidenz über den Fairness-Zustand der Banken. Zunächst müssen wir also uns selbst richtig einschätzen, unsere persönliche Position definieren und gemäß der eigenen Haltung handeln. In einem zweiten Schritt sollten die Bankhäuser ihre Werte artikulieren. Um noch mal die große Philosophie zu bemühen: der griechische Gelehrte Sokrates war z. B. deshalb so erfolgreich, weil er seine Schüler dazu gebracht hat, Sachverhalte herauszufinden, kritisch zu beurteilen und dann aus eigener Kraft das Richtige zu tun. Diese Methode nannte man Hebammenkunst (Mäeutik).

Was ist also konkret zu tun?

Wir sollten im Zeitalter der Digitalisierung auf Fairness setzen – der Mensch im Zentrum: Banken, die sich fair verhalten, sind auch erfolgreich. Ein breiter Dialog über Ethik und Werte sollte in der Bankenbranche angestoßen werden. Bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen ist eine Wertepositionierung vorzunehmen und der Status quo sollte definiert werden. Darauf aufbauend werden dann Strategien entwickelt, die das Unternehmen weiter attraktiv für Kunden und Mitarbeiter macht. Es ist noch viel zu tun.

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Lisa Schachner

Ich betreue bei Management Circle die Veranstaltung Global Female Leaders und bin zusätzlich für die Themen Banken und Handelsmarken verantwortlich. Über aktuelle Themen, Trends und kreative Ideen informiere ich Sie gerne und werde dabei die internationale Perspektive nicht aus den Augen verlieren. Ich freue mich darauf Sie kennenzulernen!

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