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Der Siegeszug des Coworkings

Oberholz

Die früheren Büroimmobilien passen nicht mehr zu den Jobs von heute. Doch warum das so ist und was wir in Zukunft von Büroimmobilien und neuen Konzepten wie Coworking erwarten können, berichtete uns Ansgar Oberholz in einem exklusiven Interview.

2005 gründete Ansgar Oberholz gemeinsam mit Koulla Louca das St. Oberholz: Ein heute international bekanntes Creative Hub in Berlin Mitte, das als Meilenstein in der Geschichte des Coworking angesehen wird und als eines der Epizentren der Berliner Startup- und Gründerszene gilt. Ansgar Oberholz ist Mentor für junge Startups bei verschiedenen Organisationen und Berater in der Berliner Startup Unit der Senatsverwaltung. Er ist im Vorstand von iHub, einer 2016 gegründeten Plattform zu Förderung von Innovationskultur und gründete gemeinsam mit Tobias Schwarz das Institut für Neue Arbeit.

Ansgar Oberholz selber gilt als Veteran der Entrepreneur-Szene und als Experte für Phänomene des Neuen Arbeitens und des digitalen Wandels. Im Mai 2016 bezeichnete ihn der RBB als „Guru der Berliner Startup Szene“.

Büroimmobilien sollten neue Wege beim Thema Flexibilität einschlagen

Vor welchen Herausforderungen stehen heutige Büroimmobilien?

Der Wandel der Arbeitswelt spiegelt sich vor allem auch im Wandel der Arbeitsräume. Einerseits betrifft das Funktion und Design, aber andererseits auch den Flächenbedarf. Im Bereich der Funktion verändert sich vor allem die starre Zuordnung von rollenbezogener zu anlassbezogener Nutzung. Sprich, der Ort definiert nicht mehr die Hierarchiestufe des Nutzers, sondern die Tätigkeit. Zum konzentrierten abarbeiten suche ich einen anderen Raum des Büros auf, als zum Ideenschmieden mit Kollegen, egal welcher Hierarchiestufe ich angehöre.
Beim Flächenbedarf besteht die Herausforderung für schnell wachsende Unternehmen Räume anzumieten mit einem hohen Anteil an ungenutzten Überschussflächen. Hier wird der Ruf nach Zwischennutzung in Form von Coworking oder flexiblen Untermietverhältnissen lauter, denn die Flächen sind ja bei weitem (vor allem in Berlin) nicht mehr so günstig. Aber es gibt auch einen gegenteiligen Trend.

Modern BüroRadikal dezentrales und digitales Arbeiten lässt den Flächenbedarf schrumpfen, trotz steigender Mitarbeiteranzahl. Automattic, ein Startup aus Kalifornien, das seinen Teams einen hohen Freiheitsgrad gewährt, hat gerade sein 1.400 Quadratmeter großes Büro für 550 Mitarbeiter geschlossen, da kaum mehr als 5 Menschen gleichzeitig dort arbeiteten. Das Unternehmen trägt nun im Gegenzug die Kosten für Mitgliedschaften der Mitarbeiter in Coworking Spaces.

Für Unternehmen im Wandel wird die Vorhersage des Flächenbedarfs immer schwieriger, daher ist es sinnvoll, wenn heute Immobilien neue Wege beim Thema Flexibilität einschlagen. Dabei werden sie wohl kaum um Elemente der Coworking Kultur herumkommen.

 

Unternehmenskultur und Büroimmobilie sind wichtige Faktoren für das Recruiting

Reichen moderne Büroimmobilien wirklich aus, um junge Talente für das eigene Unternehmen zu begeistern?

Im Recruiting ist mittlerweile die Büroimmobilie einer der wichtigeren Faktoren, vor allem auch außerhalb der Metropolen. Bestenfalls drückt das Büro den Markenkern und die Haltung des Unternehmens aus. Aber nicht nur das Büro, sondern auch die direkte Umgebung, das Quartier, ist genauso wichtig wie das Gebäude selber, um als Arbeitgeber für junge Talente attraktiv zu sein.

Unternehmenskultur wie Transparenz, Kollaboration, Mitbestimmung, Nachhaltigkeit und flexibles Arbeiten sind für viele Bewerber aber noch wichtigere Faktoren als die Büroimmobilie. Meistens kommen aber beide Effekte zusammen: Ein transparent arbeitendes Unternehmen hat meist auch ein zeitgemäßes Büro.

Coworking als neuer Standard

Wird das Coworking das Büro von heute verdrängen oder können Sie sich eine Koexistenz vorstellen?

Coworking und einzelne Teile davon sind jetzt schon der Kern jeder innovativen Bürostruktur. Büros werden immer mehr Coworking Spaces ähneln und dabei die gleiche Vielfalt an individueller Auslegung des Prinzips „Coworking“ abbilden wie die Spaces selber. Denn jedes Unternehmen hat unterschiedliche Funktionsbedürfnisse und Kulturen. Eine Gleichschaltung von Bürodesigns, wie wir es etwa bei Großraumbüros erlebt haben, wird deutlich abnehmen.

Durch die stetig wachsende Akzeptanz bei Arbeitnehmern und den Trend, dass sich immer mehr Unternehmen auch auf Coworking Spaces ausdehnen, wird es nicht nur eine Koexistenz der Konzepte geben, sondern sogar eine Symbiose: Ist eine gut entwickelte Coworking Kultur vorhanden, kann ich als Unternehmen Büroflächen wirtschaftlicher planen und Teams und Abteilungen bei Bedarf auslagern. In fünf Jahren wird Coworking als Bürokultur ein neuer Standard sein.

 

Arbeiten im Jahr 2030

Werfen wir einen Blick in das Jahr 2030: Wie und wo werden wir Ihrer Meinung nach arbeiten?

Es ist schwer Vorhersagen über exakte Veränderungen der Arbeitswelt zu treffen. Zwei Faktoren sind aber recht sicher: Arbeit wird immer dezentraler und aber gleichzeitig auch immer vernetzter. Das sind Bedingungen, die der Grundidee von Coworking zuträglich sind. Der selbstbestimmte Arbeitsort wird ein Umstand sein, der die Arbeitswelt maßgeblich prägen und das Verschmelzen zwischen Wohn- und Arbeitsort vorantreiben wird. Neue Wohnformen, bei denen man eher einen Campus als Vorbild hat, werden dadurch attraktiv. Wohnen mit angegliedertem Coworking, Kita und Gemeinschaftsflächen für generationenübergreifendes Wohnen, Leben und Arbeiten werden das nächste große Ding sein.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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