Der Bankenverband und der E-Commerce: Digitales Bezahlen 2020

Payment E-Commerce

Vorgestern veröffentlichte der Bankenverband ein neues Positionspapier, in dem es um die zukünftigen Anforderungen an Digitales Bezahlen in der EU geht. Es enthält einen Appell für die Einführung neuer gesetzliche Regelungen dazu. Wir haben uns die Studie einmal genauer angeschaut.

In dem Papier sollen Maßnahmen identifiziert werden, die das Angebot von Zahlverfahren für Verbraucher in Europa verbessern würden. Verbraucher zahlen in der EU durchschnittlich 720 Mal im Jahr, jedoch sei bei vielen Vorgängen ihre Wahlfreiheit stark eingeschränkt. Vor allem Varianten des bargeldlosen Bezahlens kämen in Europa zu kurz. Deshalb setzt sich der Verband für ein digitales „SEPA 2.0“ ein, bei dem auf den Handlungsfeldern Mobile Payments, E-Commerce, Instant Payments, Bargeld und Onboarding Rahmenbedingungen für neue Maßnahmen geschaffen werden sollen.

Mobile Payment

Das Mobile Payment läuft in Deutschland bisher nur schleppend an. Während zwar beispielsweise Payback Pay bei dm ohne weiteres eingesetzt werden kann, existieren international weit verbreitete Dienste wie ApplePay hierzulande noch gar nicht. Außerdem wissen viele Verbraucher teilweise gar nicht, dass sie Optionen haben, wenn sie an einer betreffenden Kasse stehen. Manchmal weiß das nicht einmal das Personal! Das zeigt, dass wir hier deutlich hinterher hinken. Zumal gerade im E-Commerce mittlerweile ein großer Teil der Zahlungen über mobile Endgeräte laufen. Länder wie die USA und China, wo Alipay 450 Millionen aktive Nutzer hat, sind da viel weiter.

Die Vision des Bankenverbands lautet daher, die Reichweite mobiler Zahlungslösungen zu erhöhen, ohne deren Sicherheit zu gefährden. Relevante Infrastrukturen zur Authentifizierung oder Datenübertragung sollen allen Zahlungsdienstanbietern offenstehen, es soll kein Geoblocking geben und „das Vertrauen der Verbraucher in Digitales Bezahlen soll gesteigert werden“. Letztere Forderung klingt sehr Deutschland-spezifisch.

Besonders die Forderung nach einem Zugang zu Infrastrukturen ist interessant: Der Vorschlag richtet sich an Technologieunternehmen, die beispielsweise Smartphones und Wearables herstellen. (Man weiß, wer gemeint ist.) Diese halten Patente auf Komponenten ihrer Produkte, die für Mobile Payments benötigt werden. Diese beeinträchtigen jedoch auch die Entwicklung und Verbreitung von entsprechenden Geräten durch Drittanbieter. Gefordert werden Zugangsrechte, etwa durch Lizenzemodelle, die die Hersteller dieser Geräte Zahlungsdienstanbietern diskriminierungsfrei zur Verfügungstellen sollen. Die gleichen Hersteller bieten allerdings oft eigene Zahlungslösungen an. Ob sie sich vor diesem Hintergrund darauf einlassen wollen?

Bild: Shopperin auf der Straße mit Einkaufstaschen und Smartphone

Echtzeitzahlungen

Basierend auf der SEPA-Überweisung soll es bis November 2017 ein europaweites System für Echtzeitzahlungen geben. Verständlich, da es gerade für jüngere Menschen heute völlig unverständlich ist, warum eine Zahlung Zeit braucht, bis sie bei ihrem Empfänger ankommt. Gerade im Kontext des Online-Handels, aber auch als Alternative zu Bargeldzahlungen sind sie interessant. In manchen europäischen Ländern gibt es sie sogar bereits und ihre Beliebtheit steigt schnell. Da diese Entwicklung auf Europäischer Ebene von öffentlichen Instanzen und aus der Branche vorangetrieben werde, sei aus Sicht des Bankenverbands aber eine weitere Regulierung nicht erforderlich.

E-Commerce

Besonders im E-Commerce sei die Wahlfreiheit zu eingeschränkt. Plattformen wie eBay oder Amazon schreiben bestimmte Zahlverfahren vor, die alle Anbieter darauf nutzen müssen. Solche Plattformen seien „relevante Segmente“ im Online-Handel und die Wahlfreiheit müsse hier offen stehen. Deshalb wird gefordert, dass solche Plattformen den Verkäufern und deren Kunden überlassen, welche Zahlverfahren und Zahlungsanbieter sie nutzen möchten.

Analog dazu trat im Sommer 2016 eine EU Verordnung zu kartengebundenen Zahlungsvorgängen in Kraft, die besagt, dass am Point of Sale für Kunden eine neue Wahlfreiheit des Zahlungsmittels herrschen soll. (Wobei es unklar ist, wie das später mal auf das Thema Mobil Payment angewandt werden soll.) Kunden sollen demnach an der Ladenkasse alternative Zahlungsmöglichkeiten fordern können und müssen auch darauf hingewiesen werden. Damit wurden dem Einzelhandel im Prinzip Regeln aufgezwungen – und anscheinend fordert der Bankenverband dasselbe nun für Online-Shops. Ob das allerdings technisch so einfach machbar ist – vor allem für kleinere Anbieter! – steht auf einem anderen Blatt.

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Leichterer Zugang zu digitalen Bezahlverfahren

Insgesamt werde der Zugang zu digitalen Bezahlverfahren den Verbrauchern unnötig erschwert. Durch unterschiedliche bürokratische Anforderungen in den EU-Ländern sei der Binnenmarkt beeinträchtigt und nicht einheitlich. Gefordert wird, dass Verbraucher unabhängig von ihrem Standort ihren Dienstleister wählen dürfen. Außerdem soll es möglich werden, sich nur einmal bei der eigenen Hausbank zu legitimieren, statt sich bei jedem Zahlungsdienstleister neu registrieren zu müssen. Dafür sollen Zahlungsdienstanbieter die Möglichkeit bekommen, die Legitimationsdaten untereinander auszutauschen. (Natürlich nur nach der Einwilligung der Verbraucher!)

Förderung von Bargeldalternativen

Eine der interessantesten Forderungen aus den Papier: Unbare Zahlverfahren sollen dem Bargeld gleichgestellt, also als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt werden. Außerdem sollen die Verbraucher die Möglichkeit bekommen, mit „geeigneten, unbaren Zahlverfahren“ am Point of Sale auch anonym zu bezahlen. Dabei sei aber weiter eine flächendeckende Versorgung mit Bargeld sicherzustellen. Damit positioniert sich der Bankenverband klar im Sinne der Bankkunden, denn in Deutschland seien 90 Prozent gegen eine Abschaffung von Bargeld. Das hat sicherlich auch mit dem hohen Ansehen von Datenschutz und Privatsphäre bei den Deutschen zu tun.

Was meinen Sie? Sind die Forderungen des Bankenverbands praktikabel? Das komplette Positionspapier können Sie hier nachlesen. Außerdem weisen wir an dieser Stelle gerne nochmal auf unseren Blockchain Summit für Banken im April hin! Informieren Sie sich dazu auf unserer Website!

Bild: Antonioguillem | de.fotolia.com

Christoph Erle

Mein Name ist Christoph Erle und ich betreue bei Management Circle die Blogs zu Personalwesen, Energiewirtschaft und Handelsmarken. Als langjähriger Freund des Netzes und Content-Marketing-Spezialist wollte ich mir die Chance nicht nehmen lassen, bei einem renommierten Veranstalter den Aufbau einer Online-Präsenz zu unterstützen. Ich hoffe, hier hilfreiche Inhalte für Sie bereitzustellen und Sie demnächst im Netz oder auf einer unserer Veranstaltungen anzutreffen.

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