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Das Image des Klebens hat sich gewandelt, findet Prof. Dr. Groß

Kleben

Klebstoffe von heute sind wahre High-Tech-Produkte, die in fast jedem Produktionsbetrieb zum Einsatz kommen. Aber welche Arten von Klebstoff müssen Sie kennen und warum ist Kleben so beliebt? Wir haben einen der internationalen Experten für Klebetechnik befragt und erfahren, dass gutes Kleben durchaus gelernt sein will.

Prof. Dr. Andreas Groß ist Leiter der Abteilung Technologietransfer und Personalqualifizierung am Fraunhofer IFAM in Bremen, stellvertretender Sprecher des Direktoriums der Fraunhofer Academy, Vorsitzender des Normenausschuss CEN TC 256/SC 2/WG 52 sowie des Arbeitskreises Kleben DIN 6701. In diesen Funktionen vertritt er die Klebtechnik in nationalem und internationalem Zusammenhang. Im Fraunhofer IFAM umfasst sein Arbeitsgebiet die technologische und normative Weiterentwicklung des Klebens in unterschiedlichen Bereichen.

Kleben kann mehr als Sie denken

Warum ist Kleben so beliebt?

Ich denke, dass zunehmend das Potenzial des Klebens erkannt wird. Gleichzeitig aber auch die Notwendigkeit zu kleben.

KlebenMit Potenzial meine ich, dass das Kleben es ermöglicht, gleiche, aber gerade auch unterschiedliche Werkstoffe miteinander langzeitbeständig zu verbinden. Gut, das kann man mit dem Schrauben oder Nieten auch. Aber: beim Kleben erhalte ich die Werkstoffeigenschaften. Ich bohre keine Löcher hinein wie beim Schrauben oder Nieten und ich habe keine Hitzebeeinflussung wie beim Schweißen. Was heißt das? Die Werkstoffe, die ich fügen will, bleiben beim Kleben in ihren Eigenschaften erhalten. Und wenn ich diese beiden Aspekte zusammennehme, also, ich kann alle Werkstoffe langzeitbeständig unter Erhalt ihrer Werkstoffeigenschaften miteinander fügen, dann gelange ich zu neuen Bauweisen.

Ein Beispiel dafür ist der Leichtbau. Leichtbau entsteht nicht dadurch, dass ich die „schweren“ Schrauben oder Niete durch „leichten“ Klebstoff ersetze. Leichtbau entsteht durch Einsatz von Leichtbauwerkstoffen. Man muss kein Werkstoffexperte sein, um zu erkennen, dass in diese Leichtbauwerkstoffe Löcher hineinzubohren oder sie – wenn überhaupt möglich – hohen Temperaturen auszusetzen, alles andere als „werkstoffgerecht“ ist. Kleben dagegen als wärmearmes Fügeverfahren, das darüber hinaus auch ohne „Bohrungen“ auskommt, erhält beim Verbinden die „leichten“ Werkstoffeigenschaften. Kleben macht Leichtbau also möglich.

Die Notwendigkeit zu kleben, ergibt sich häufig daraus, dass die anderen Fügetechniken gar nicht anwendbar sind. Wie will ich denn stoffschlüssig Glas mit Metall zum Beispiel verbinden? Es gibt also auch werkstoffliche Zwänge, die zwangsläufig zum Kleben führen.

Völlig neue Möglichkeiten ergeben sich heute durch Kleben

Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Also, ich bin überzeugt, dass in der Industrie das Kleben einen Imagewandel erfährt. Das Kleben kommt weg von diesem unsäglichen „Alleskleber“-Image. Wenn eine Klebung nicht hielt: klar, „war ja nur geklebt“. Ich denke, das gibt es so nicht mehr. In der Industrie wird längst erkannt, dass, wenn das Kleben fachgerecht und qualifiziert eingesetzt wird, sich ganz neue Bauweisen und für Produkte neue Möglichkeiten auftun. Auch wird zunehmend bewusst, dass die Fähigkeiten zum fachgerechten Kleben eben nicht angeboren sind, sondern dass das Personal dafür qualifiziert werden muss (www.kleben-in-bremen.de). Die Schweißer wissen das schon lange…

Also, ich bin überzeugt, dass in der Industrie das Kleben einen Imagewandel erfährt.

Kleben birgt besondere Herausforderungen

Wann gelangen Klebstoffe an ihre Grenzen? Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?

Wie alle Fügetechniken auch hat das Kleben seine Grenzen. Der Klebstoff ist ein Kunststoff. Als Kunststoff ist er – und damit auch die Klebung – thermisch nach oben und unten nicht unbegrenzt belastbar. Da setzt die Natur halt ihre Grenzen. Als Kunststoff unterliegt der Klebstoff zudem Abbaumechanismen, z.B. bei einigen Klebstoffarten durch UV-Strahlung. Wie alle Kunststoffe nimmt auf der Klebstoff Feuchtigkeit auf. Diese beeinflusst messbar die mechanisch-technologischen Eigenschaften. Diese Effekte muss man halt kennen. Wie schon gesagt. Qualifiziertes Personal! Dann kann man auch auf die genannten Effekte in der Produktentwicklung erfolgreich reagieren.

Klebstoff

In wieweit spielt die Verträglichkeit für das Personal eine Rolle? Gibt es oft Probleme mit Klebstoffgeruch/Allergien?

Das Thema Arbeits- und Umweltschutzschutz gilt ja für alle Fügetechniken. Das ist ja beispielsweise beim Schweißen nicht anders. Stichwort: Schweißrauche. Moderne Industrieklebstoffe sind häufig chemisch reagierende Substanzen, also Harz und Härter. Als Prozesswerkstoff entsteht der eigentliche Klebstoff durch chemische Reaktionen von Harz und Härter erst in der Klebfuge. Die Klebstoffhersteller sind gesetzlich verpflichtet zu jedem Klebstoff dem Anwender nicht nur ein technisches Datenblatt zur Verfügung zu stellen, sondern genauso ein sogenanntes Sicherheitsdatenblatt. Diesem entnimmt der Anwender, welche Arbeitsschutzmaßnahmen organisatorischer und technischer Art wie auch hinsichtlich der persönlichen Schutzausrüstung für die Verarbeitung des unausgehärteten Klebstoffs zu ergreifen sind. Die Mitarbeiter müssen dementsprechend auch regelmäßig geschult werden und sind verpflichtet, die getroffenen Maßnahmen auch einzuhalten.

Die Klebstoffauswahl stellt für viele Produktionsbetriebe eine Herausforderung dar. Wie finde ich den richtigen Klebstoff für mein Produkt und wie finde ich die richtige Vorbehandlung?

Das ist definitiv eine Herausforderung! In Deutschland stehen schätzungsweise 35.000 verschiedene Klebstoffprodukte zur Auswahl. Das heißt aber auch, dass der für den jeweiligen Anwendungsfall geeignetste Klebstoff gefunden werden kann. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, den Klebprozess ganzheitlich zu betrachten, und zwar von der Idee bis zum Produkt. Umgesetzt ist diese ganzheitliche Denkweise im Leitfaden „Kleben – aber richtig“ des Industrieverbands Klebstoffe e.V. Grundlage der Auswahl des richtigen Klebsystems ist zunächst einmal die fachgerechte Erstellung eines Lastenheftes. Auf dieser Basis erfolgen dann alle weiteren Schritte zu einer sicheren Klebung.

Klebetechnik bietet entscheidende Vorteile, die Sie genauer kennen lernen sollten!

Nutzen Sie unser Seminar Kleben, um sich über alle Herausforderungen des Klebens, Klebstoffe und ihre charakteristischen Eigenschaften und Innovationen auf den neuesten Stand zu bringen.

Unser Experte Prof. Dr. Andreas Groß und seine Kollegen versorgen Sie mit vielen Tipps, die Sie direkt in die Praxis umsetzen können.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Lean-, Soft Skills-Themen und die Iran-Veranstaltungen zuständig. In diesen Blogs informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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