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Corporate Innovation – wie Sie die digitalen Chancen (nicht nur) in der Immobilienbranche nutzen!

Corperate Innovation

Auf Veranstaltungen, Messen und in Artikeln – wie diesem hier – ist die Digitalisierung auch in der Immobilienbranche angekommen. Begriffe wie PropTech, Building Information Modell (BIM), 3D-Druck, Blockchain und Künstliche Intelligenz prägen jede Konversation, die sich mit Digitalisierung befasst.

Aber wie weit ist dieses Thema nun wirklich in die Branche eingedrungen, der es seit langem –  auch ohne einen Fokus auf Digitalisierung –  fantastisch geht und wo man eher in Jahren und Jahrzehnten denkt als in Wochen und Monaten, wie zum Beispiel bei der Aktualisierung von Smartphone-Apps? Achim Jedelsky geht dieser Frage im folgenden Beitrag nach.

Achim Jedelsky leitet seit 2013 den Processes/IT Bereich der Daimler Real Estate GmbH, wo er für die Optimierung der digitalen Immobilienprozesse und die Digitale Strategie der Daimlertochter zuständig ist.

Nach seinem Studium an der Bauhaus-Uni-Weimar und der KTH Stockholm arbeitete er 10 Jahre als Architekt und Projektmanager in Deutschland, Großbritannien und den USA, bevor er 2011 seinen MBA an der Vlerick Business School abschloss.

Seit 2016 beschäftigt er sich intensiv mit der Blockchain-Technologie und konnte mit diesem Thema einen internen Innovationswettbewerb der Daimler AG gewinnen. Er leitet das Berlin Chapter der International Blockchain Real Estate Association (IBREA) in dem er durch regelmäßige Meetups die Adaption der neuen Technologie in der Immobilienbranche vorantreibt – als Redner auf der MIPIM 2017 und der Blockchain Expo Berlin tut er dies auch vor einem internationalen Publikum.

Digitalisierung ist nicht allein ein papierloses Büro!

Ich bin der Meinung, dass die Branche hier nach wie vor sehr zaghaft mit Innovation umgeht und sich dabei auch eher damit beschäftigt, die bestehenden Abläufe zu digitalisieren (also Papier in elektronische Formate zu überführen), als zu hinterfragen, welche Möglichkeiten die neuen Technologien bieten, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gerne wird eine neue Position geschaffen, die ein „Digital“ vorangestellt im Jobtitel hat, der oder die neue Kollegin kommt am besten aus einem Startup und soll dann mal schauen, wie die Firma für die „Industrie 4.0“ fit gemacht werden kann – aber das möglichst ohne die bestehenden Prozesse zu behindern.

Digitalisierung und Innovation müssen heutzutage Bestandteil von jeder Jobbeschreibung sein – und besonders in der Verantwortung der Geschäftsführung liegen. Sicherlich ist es gut und sinnvoll, auch digitale Experten –  ob intern oder extern – zu haben, aber ein generelles Outsourcing oder Einkaufen von Innovation kann es nicht geben.

Ich sehe daher zwei Herausforderungen:

Innovation als Teil der Unternehmenskultur zu etablieren

Geschäftsmodell durch Technologien neu zu erfinden

Ohne dafür ein Rezept präsentieren zu wollen, möchte ich skizzieren, wie der Umgang mit diesen beiden Punkten aussehen kann.

Innovation als Teil der Unternehmenskultur

Zeit für Neues

Zunächst geht es “nur“ darum, die Grundgedanken neuer Entwicklungen zu verstehen. Was mit etwas Zeit ohne Probleme durch eine Internet-Recherche getan ist – sei es über Wikipedia oder einschlägige Blogs. Aus der Sicht eines Unternehmens heißt das, dass Mitarbeiter die Freiheit brauchen, sich mit neuen Themen außerhalb der alltäglichen „Box“ zu beschäftigen; am besten gezielt durch einen mehrstündigen Regel-Termin im Kalender. Das muss natürlich auch freiwillig durch die Mitarbeiter getragen und kann nicht erzwungen werden. Eine Voraussetzung für diese Freiwilligkeit ist, dass ein Engagement mit Innovationsthemen nicht ein Zusatz zum normalen Arbeitspensum wird, sondern dass dafür ganz offiziell Zeit freigemacht wird.

Free to Fail

ZeitmanagementIch nenne es bewusst „free to fail“, da der gleiche Ausdruck auf deutsch – Die Freiheit zu scheitern – viel zu negativ klingt und die deutsche Arbeitskultur das Scheitern partout vermeiden möchte. Niemand möchte mit einem Vorhaben versagen, aber wenn das Scheitern – und das gilt besonders für Innovationen – von vorneherein ausgeschlossen werden muss, wird kein Arbeitnehmer seine Möglichkeiten voll ausschöpfen und ans Limit gehen. Hier ist der Wandel zu einer offenen Fehlerkultur nötig. Das Scheitern zu akzeptieren bedeutet einerseits, dass man Fehler provoziert – also eher früher als später den Mangel feststellt – und andererseits aus den Fehlern lernt und dafür sorgt, dass alle Kollegen daraus lernen. Besonders in Firmen, in denen die persönliche Zielerreichung Teil der Vergütung ist, muss man hierfür umdenken und neue Wege finden, damit das Ausprobieren und eventuelles Scheitern nicht zu Nachteilen führt.

Geh raus und schau‘s Dir an

Hat man den Grundgedanken einer Innovation verstanden und die Voraussetzung geschaffen, sich damit auseinanderzusetzen, ohne seinen Job zu riskieren, steht die Tür offen – also geh raus und schau’s Dir an! In jeder größeren Stadt gibt es hierfür sogenannte Meetups (zum Beispiel organisiert über www.meetup.com), das sind Veranstaltungen Gleichgesinnter zu allen möglichen Themen – sei es Häkeln oder Hacken. Gerade bei Innovationen gibt es hier regen Austausch, den ich persönlich jeder aufwendig organisierten Messe vorziehe. In der Regel sind diese Termine kostenlos und finden nach der Arbeitszeit statt, was dafürspricht, dass die Teilnehmer motiviert und offen sind. Genau diese Offenheit gibt die Freiheit, die man für Ideenentwicklung und Innovation benötigt und durch den persönlichen Kontakt erweitert man schnell sein Netzwerk und bekommt Zugang zur Szene.

Geschäftsmodell durch Technologien neu erfinden

Verstehen und nachmachen

Gerade wenn es darum geht, etwas Neues zu entwickeln, ist es gut, wenn man mit dem anfängt, was man kennt. Im Geschäftsumfeld sind das meist die Arbeitsabläufe, die Prozesse. Wenn man sich an neue Technologien ran wagt, gibt es genug Herausforderungen zu meistern. Daher sollte man sich zunächst damit auseinandersetzten, wie man die bestehenden Abläufe mit der neuen Technologie abbilden kann. Zugegeben, das ist vielleicht nicht die eleganteste Herangehensweise, aber hier ist der Weg das Ziel. Es geht darum, internes Know-how aufzubauen und die Fähigkeiten zu erlernen, die benötigt werden, um den Nutzer einer Technologie zu beurteilen. Die Zusammenarbeit mit externen Experten ist in dieser Phase wahrscheinlich am sinnvollsten – wenn auch keine Bedingung – um eine möglichst schnelle Lernkurve zu erreichen.

Die Stärken der Innovation

Bild: Fragezeichen wird zu GlühbirneHat man die Stärken (und Schwächen) einer Technologie verstanden, geht es darum zu verstehen, wo und ob man seine eigenen Prozesse damit verbessern kann. Hierfür wird gerne ein sogenanntes „Whitepaper“ herangezogen, man entwirft ausgehend von einem weißen Blatt Papier das mögliche Szenario, in dem die neue Technologie angewendet werden kann. Der dort – in möglichst einfacher Sprache und nur mit den nötigsten technischen Details – ausgearbeitete Anwendungsfall bietet dann die Grundlage für Diskussionen mit den Kollegen. Dabei darf man sich nicht vor Kritik verstecken, sondern sollte möglichst viel von dem aufnehmen, was die sagen, die täglich in der Materie arbeiten. Allerdings spielen auch hier die Kultur und der Umgang miteinander eine wichtige Rolle: Es braucht nicht allzu viele negative Kommentare, um die Dynamik einer innovativen Idee zu ersticken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass besonders Experten eines Gebietes zunächst nur die Probleme und Hürden einer neuen Herangehensweise sehen und so das Potential gerne übersehen.

Excubation

Hat man es soweit geschafft, dass man eine klare Vorstellung davon hat, wie sein Geschäft von einer neuen Technologie innoviert werden kann, bleibt einem noch der vielleicht schwierigste Teil zu tun: Die Umsetzung. Spätestens hier muss man sich auch im Klaren sein, dass man das nicht mal nebenbei macht. Das heißt, man muss sich zunächst um ein Budget und die nötige Zeit hierfür bemühen, die Innovation weiter voranzutreiben. Aber vorausgesetzt man hat Zeit und Geld hierfür, stellt sich das bekannte „Innovators Dilemma“ in den Weg – wie kann ich in einer Umgebung, in der alle und alles auf dem bestehenden (veralteten) Geschäftsmodell aufbaut, ungestört und unbeeinflusst daran arbeiten, es zu zerstören? Das kann man nicht! Der Ausweg ist hier die Excubation – die Weiterentwicklung einer Idee außerhalb des bestehenden Geschäftsumfeldes. Hierfür benötigt man die Unterstützung von externen Partnern, seien es Berater oder Startups. Wichtig ist, dass sie im Kopf frei von dem alten Geschäftsmodell sind und dass man ein Umfeld kreiert, das Veränderungen zulässt.

Kette: Puzzleteile

Fazit

Was ich versucht habe hier zu skizzieren ist, dass die Verknüpfung von Innovation mit der täglichen Arbeit möglich ist, wenn das Umfeld stimmt und wenn man das Neue als Teil der Arbeitsaufgabe begreift und nicht nur als Spielerei einiger technikverliebten IT-ler. Das Wissen erfahrener Fachleute ist von großer Bedeutung für die Erneuerung bestehender Geschäftsmodelle. Aber zu oft ist dieses Know-how gleichzeitig eine Barriere, da man die Komplexität der Prozesse zu gut kennt (und fürchtet) und dabei die Möglichkeiten, die die Veränderung bietet, unterschätzt. Die Gefahr, die ich hier für einzelne Industrien, wie der Immobilienwirtschaft sehe, ist, dass die Disruption dann eher von außerhalb kommt, von Google, Amazon oder Apple und die eigentlichen Experten dieser Entwicklung nur noch als Beobachter beiwohnen, anstatt sie mitzugestalten.

Informieren Sie sich jetzt!

Auf unserem Seminar Blockchain für Einsteiger lernen Sie die Methoden näher kennen, die Achim Jedelsky vorgestellt hat. Sie erhalten außerdem Grundlagenwissen über Blockchain und ihre Anwendungs-Möglichkeiten. Hier können Sie sich technisches Hintergrundwissen aneignen – auch ohne Programmier-Kenntnisse!

Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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