Bleibt Europa ohne eine reale Smart City?

Smart City

Ralph Büchele, Project Manager bei Roland Berger, ist der Meinung, dass Europa auf DIE smarte Stadt verzichten muss. Lediglich in der Quartiersentwicklung sieht er noch Hoffnung. Warum Europa ohne Smart City leben muss und wie sich Herr Büchele selbst eine digitale Stadt vorstellt, erfahren Sie in diesem Interview.

In Europa werden wir die smarte Stadt auch in Zukunft nicht finden.

Ralph Büchele, Roland Berger, München

Ralph Büchele ist Partner bei Roland Berger. Er ist im Competence Center Civil Economics, Energy & Infrastructure verantwortlich für Projekte im Bereich Infrastruktur, Immobilien und Facility Management.

Vorreiter in Sachen Smart City

Viele Städte im In- und Ausland haben eine Smart City Charta. Welche dieser Metropolen hat Ihrer Meinung nach die Nase vorn, Herr Büchele?

Dies sind insbesondere Städte wie Wien, Singapur und Chicago. Sie haben beim Thema Infrastruktur, Planung und Breite der Handlungsfelder die Nase vorn.

Diese Städte haben einen systematischen Umsetzungsprozess entwickelt, der auch Themen wie Finanzierung und Institutionalisierung umfasst. Zudem adressieren sie ein breites Spektrum an Aktivitätsfeldern wie beispielsweise Mobilität, Energie und Wohnen. Als wesentlichen Treiber nutzen diese Städte intensiv digitale Anwendungen und Infrastrukturen wie beispielsweise Breitband und mobile Anwendungen.

So hat Wien beispielsweise die Investitionen in Glasfaserkabel und Mobilfunknetze stark ausgebaut und seine digitalen Infrastrukturen gezielt erweitert. Zudem wurden bereits zahlreiche öffentliche Leistungsangebote online gestellt und diese sind eng mit Schulen und Universitäten vernetzt. Alle Aktivitäten werden frühzeitig durch Showcases und Förderprogramme zusammen mit Innovationsanbietern und Tech-Unternehmen begleitet.

Immobilienforum Wien

Wien als Vorreiter in Sachen Smart City

Die Traum-Smart-City

Wie stellen Sie sich persönlich eine Smart City vor, in der Sie gerne leben würden?

Die Digitalisierung spielt bei der Entwicklung in Richtung einer Smart City eine signifikante Rolle und liefert Unternehmen, Bewohnern und Institutionen einen relevanten Mehrwert. In den Bereichen Energie, Umwelt, Mobilität, Gesundheitswesen, Bildung und Verwaltung zeigen sich dabei die größten Anwendungsfelder. Durch „smarte digitale“ Anwendungen lassen sich beispielsweise neue Trainings- und Lernanwendungen für Zuhause anbieten, Expertenwissen und digitale Plattformen im Gesundheitswesen ermöglichen zielgerichtete Therapien, vernetzte intermodale Mobilitätsplattformen und autonomes Fahren vermeiden Staus und Umweltverschmutzung und eine bedarfsgesteuerte Energieversorgung und angebotsorientierte Energieverbrauchssteuerung sichert Netzstabilität und Versorgungssicherheit.

Die Chancen liegen in der Quartiersentwicklung

Werden wir in Zukunft alle in einer smarten Stadt wohnen und wie lange wird die Realisierung aller Punkte wirklich dauern?

Immobilien-TrendsIn Europa werden wir die smarte Stadt auch in Zukunft nicht finden, der größte Teil der gebauten Infrastruktur ist ja bereits vorhanden. Im Bereich der Stadt- und Quartiersentwicklung sehe ich allerdings eine zunehmende Dynamik,  gezielt smarte Lösungskonzepte einer digitalen Stadt zu integrieren. Große Stadtentwicklungsprojekte wie zum Beispiel das Schwabinger Tor München oder Future Living Berlin zeigen dies deutlich. Dies umfasst beispielsweise Anwendungen zum altersgerechten Wohnen, die enge Verknüpfung von Wohnen, Arbeiten und Mobilität, das Angebot von digitalen Plattformlösungen für Mieter und Vermieter oder integrierte Infrastrukturlösungen wie beispielsweise die Breitbandvernetzung und eine nachhaltige dezentrale Energieversorgung, -speicherung und -verwendung.

Ist die Immobilienbranche bereit für die Digitalisierung?

Welche Chancen ergeben sich für die Immobilienbranche und ist diese bereit dafür?

Wenn es um den Digitalisierungsgrad der Immobilienbrache geht, dann steht sie im Branchenvergleich eher im letzten Drittel. Vorreiter sind Branchen wie die Telekommunikation, Medien oder Finanzdienstleistungen. Allerdings ergeben sich dennoch attraktive Marktchancen im Bereich infrastrukturnahe Dienstleistungen, bei denen die Immobilienbranche eine relevante Rolle übernehmen kann. So kann beispielsweise die Wohnungswirtschaft den bestehenden Kundenzugang gezielt zum Angebot erweiterter Dienstleistungen für Mieter und Vermieter nutzen. Dies sind beispielsweise  Mess- und Abrechnungsdienste, Energie- und Effizienzmanagement, Leerstands- und Anlagenmanagement sowie Lösungen für moderne Hausautomatisierung und Elektromobilität. Eine Kooperation mit Energieversorgern, Software-Entwicklern und Mobilitätsanbietern ist dazu sicherlich zielführend.

Um erfolgreich die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, muss die Immobilienbranche sich zusammenfassend vier Aufgaben vornehmen: Ein digitales Leitbild entwickeln, den Kundenzugang absichern, Flexibilität und Agilität steigern und die Digitalkompetenz ausbauen.

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Marina Vogt

Bei Management Circle bin ich für die Digitalisierungs- und Immobilien-Themen sowie die Assistenz-Veranstaltungen zuständig. In den drei Blogs informiere ich Sie über neue Entwicklungen in diesen Bereichen. Vor meiner Tätigkeit bei Management Circle habe ich Germanistik in Frankfurt und Paderborn studiert. Ich freue mich über Fragen, Anregungen und einen
regen Wissensaustausch!

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