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80 Millionen Konsumenten warten auf Ihre Investitionen!

Amir Alizadeh

Der Iran-Kenner Amir Alizadeh kennt die Marktsituation in Iran genau. Er hat uns exklusiv im Interview einen Überblick zur wirtschaftlichen Lage gegeben und erklärt, welche Bereiche jetzt besonders vom Ende der Sanktionen profitieren und wie sich die Wirtschaft in Iran entwickeln wird.

Deutschland ist der erste europäische Exporteur nach Iran.

Amir Alizadeh, AHK

Amir Alizadeh ist stellvertretender Geschäftsführer der AHK Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran. Er ist MSc in Marketing Management und arbeitet seit 2012 bei der Handelskammer. Mit seiner langjährigen Erfahrung im Beratungsgeschäft berät er deutsche Unternehmen bei ihrem Einstieg in den iranischen Markt. Er spricht Persisch, Deutsch und Englisch.

Ende der Sanktionen: Stagnation oder Aufbruchsstimmung?

Herr Alizadeh, als Iran-Kenner und Geschäftsführer der AHK haben Sie die aktuellen Entwicklungen bestens im Blick. Wie hat sich die wirtschaftliche Lage seit der Aufhebung der Sanktionen verändert? Ist der „Run“ auf Iran ausgeblieben?

Seit dem internationalen Durchbruch bei den Atomgesprächen und daraufhin dem historischen Abkommen in Wien, bekannt als der „gemeinsame umfassende Aktionsplan“ (JCPOA), öffnet sich eine der letzten großen Volkswirtschaften für den Weltmarkt. Das Land ist für den deutschen Mittelstand ein interessanter Markt mit knapp 80 Millionen Konsumenten und einem außerordentlich großen Investitions- und Erneuerungsbedarf bei der Modernisierung der Industrie-Infrastruktur.

Ein guter Beweis dafür ist die Reise von über 40 Handelsdelegationen aus Deutschland nach Iran ab Juli 2015 bis dato. Diese Anzahl ist im auslaufenden Jahr zwar gesunken, das ist jedoch kein schlechtes Zeichen. Anstelle großer Wirtschaftsdelegationen mit Regierungsbeteiligung und Teilnehmern aus verschiedenen Branchen werden nun kleinere Abordnungen erwartet.

Teheran Skyline bergeWie hat sich der deutsch-iranische Außenhandel verändert? Gibt es Akteure, die jetzt gerade besonders profitieren, von denen man es vielleicht gar nicht erwartet hätte?

Von Januar bis Juli 2017 stieg der deutsch-iranische Außenhandel gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 um 23% und erreichte einen Wert von 1.849 Mio. Euro. Deutschland lieferte Waren im Wert von 1.618 Mio. Euro (+23%); die iranischen Lieferungen nach Deutschland lagen bei 231 Mio. Euro (+21%). Der Trend ist definitiv positiv. Deutschland ist der erste europäische Exporteur nach Iran.

Die iranische Industrie benötigt hohe Investitionen und Know-how aus dem Ausland. Die iranische Nachfrage nach deutschen Maschinen und Anlagen ist seitdem drastisch gestiegen. Siemens zum Beispiel lässt demnächst Gasturbinen und Lokomotiven in Iran in Lizenz bauen und hat eine Absichtserklärung für die dringend notwendige Modernisierung der Bahn-Infrastruktur unterzeichnet – das Volumen wird auf 1,4 Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommt das lebhafte Interesse vieler deutscher Unternehmen für iranische Wind- und Solarprojekte.

Man darf dabei die Rückkehr großer europäischer Unternehmen aus den Sektoren Energie, Automotive und Infrastruktur in den iranischen Markt nicht unterschätzen. Der Iran konnte nach 40 Jahren erstmals wieder neue Flugzeuge direkt bei führenden Herstellern kaufen. VW mit der Unternehmensgruppe „Mammut Khodro“ und Mercedes Benz mit „Iran Khodro“ wagen sich auch wieder nach Iran.

Lizenzen, Dual-Use und Finanzierung: Das sind jetzt die Knackpunkte

Teheran SkylineWelche Chancen und Risiken birgt Iran jetzt?

Exporteure nach Iran müssen nach wie vor aufwendige Geschäftsprüfungen vornehmen. Güter der Raketentechnologie, Militär- und Waffenlieferungen, sowie bestimmte nuklearrelevante Güter unterliegen weiterhin den Sanktionen. Zudem stehen bestimmte Personen und Organisationen in Iran noch auf der Sanktionsliste. Darüber hinaus muss die Ausfuhr mancher Güter, insbesondere sogenannte „Dual-Use-Güter“, vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) genehmigt werden. Für US-Güter beziehungsweise solche, deren US-Anteil mehr als zehn Prozent ausmacht, bedarf es für den Export nach Iran einer OFAC-Lizenz, wie beispielsweise im Falle von Airbus.

In Folge der teilweisen Aufhebung der Sanktionen besteht grundsätzlich die Möglichkeit eines direkten Zahlungsverkehrs mit Iran. Doch aufgrund verschiedener Faktoren sind solche Transaktionen nach wie vor mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden und stellen ein zentrales Problem für die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen dar. Die Bereitstellung beziehungsweise die Beschaffung neuer Finanzquellen stellt jedoch das größere Problem dar.

Die deutschen Exporte werden voraussichtlich in diesem Jahr noch die drei Milliarden Euro-Grenze überschreiten.

Amir Alizadeh, AHK

Wie ist Ihr persönlicher Ausblick auf die nächsten 12 Monate?

Die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen haben seit der weitest gehenden Aufhebung der Wirtschaftssanktionen im Januar 2016 stetig zugelegt. Der Aufschwung wird weitergehen. Und die deutschen Exporte werden voraussichtlich in diesem Jahr noch die drei Milliarden Euro-Grenze überschreiten. Die Rahmenbedingungen müssen aber noch weiter verbessert werden. Eine Harmonisierung der EU- und US-Sanktionen ist notwendig. Und die weitere Integration des iranischen Bankensektors in die internationale Bankengemeinschaft.

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Claudia Blum

Bei Management Circle bin ich für die Lean-, Soft Skills-Themen und die Iran-Veranstaltungen zuständig. In diesen Blogs informiere ich Sie stets über alle Trends und Entwicklungen. Ich freue mich auf Ihre Anregungen und einen guten Wissensaustausch.

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